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Achtsamkeitsbasierte Seelsorge

 

 

 

 

 

 

1. Heilsame Spiritualität: Achtsamkeitsbasierte Therapien

 

 

 

Die Situation der spätmodernen Gesellschaft wird häufig mit dem Merkmal der „Respiritualisierung“ (1) (Matthias Horx), Desecularization (Peter L. Berger) oder als Wiederverzauberung der Welt (Ulrich Beck) beschrieben, im Unterschied zur Säkularisierung der Gesellschaft in der Moderne. An die Stelle von Prognosen, dass Modernisierungsprozesse wie Industrialisierung, Urbanisierung, Individualisierung und kulturelle Pluralisierung zur Marginalisierung von Religion führten, tritt inzwischen die Beobachtung, dass religiöse Glaubensvorstellungen und Praktiken mit der Moderne kompatibel bleiben und sogar zu einer Quelle von Modernität werden können. (2)

 

 

 

Die Respiritualisierung führte unter anderem zu neuen therapeutischen Ansätzen. Neben vielen wissenschaftlich betrachtet vagen Verfahren ragen vor allem die sogenannten achtsamkeitsbasierten Therapien mit ihrer wissenschaftlichen Begründung heraus. Für eine zeitgemäße evangelische Seelsorge mit wissenschaftlichem Profil ist es unabdingbar, mit diesen Therapieverfahren in einen Dialog zu treten und eine eigenständige profilierte Antwort zu entwickeln.

 

 

 

Dies soll im Folgenden in zwei Teilschritten unternommen werden. Zunächst (1.1) wird der neurowissenschaftliche Hintergrund der achtsamkeitsbasierten Therapieansätze beschrieben. Anschließend (1.2) wird exemplarisch der Therapieansatz „Mindfulnes Based Stress Reduction“ (MBSR) und dessen Arbeit mit fernöstlichen spirituellen Übungen vorgestellt. MBSR ist nur eines von vielen spirituell basierten therapeutischen Verfahren der Postmoderne. Der emeritierte Professor für Klinische Psychologie an der Universität Koblenz-Landau Renaud van Quekelberghe hat 2007 in seinem Handbuch „Grundzüge der Spirituellen Psychotherapie“ einen Überblick über derzeit wichtige Verfahren veröffentlicht. (3)

 

 

 

MBSR eignet sich exemplarisch gut aufgrund seiner Wissenschaftlichkeit und weil aus ihm weitere achtsamkeitsbasierte Therapieansätze abgeleitet wurden. Die Mindfulnes Based Verfahren und die zahlreichen weiteren Therapien mit spirituellen Ansätzen fordern die Seelsorge dazu heraus, ein zeitgemäßes eigenes spirituelles Profil zu bilden und dabei zugleich wissenschaftlich fundiert vorzugehen. In der Postmoderne ist es für Menschen zunehmend selbstverständlich geworden, mit spirituellen Übungen zur Selbstklärung, Persönlichkeitsentwicklung und zu therapeutischen Zwecken zu arbeiten.

 

 

 

 

 

1.1 Neurowissenschaftlicher Hintergrund: Neuroplastizität

 

 

 

Die achtsamkeitsbasierten Therapien wurden im engen Dialog mit neurowissenschaftlicher Forschung entwickelt. Im Folgenden stelle ich die für diese Verfahren grundlegende neurowissenschaftliche Entdeckung vor: Neuroplastizität.

 

 

 

Unter neuronaler Plastizität versteht man die Fähigkeit von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnbereichen, sich zur Verbesserung laufender Prozesse in ihrer Anatomie und Funktion zu verändern. Bereichsspezifisch spricht man zum Beispiel von synaptischer Plastizität oder kortikaler Plastizität. Das Gehirn verändert sich lebenslang. Es ist nicht dauerhaft durch einen Lebensabschnitt wie die Kindheit programmiert, sondern es bleibt ein dynamisches Organ. Es wird vor allem durch die Form der Aufmerksamkeit des Nutzers verändert. Etwas Unscheinbares wie die Gedanken des „Benutzers“, seine alltäglichen Handlungen und seine Gefühle formen ständig die Strukturen und Funktionsweisen des Gehirns mit. Das Gehirn lässt sich aufgrund seiner Dynamik angemessener mit einer Pflanze als mit einer Maschine oder einem Computer vergleichen.

 

 

 

Der Psychologe Daniel Goleman korrigiert veraltete Grundannahmen der Neurowissenschaft: „Ein Jahrhundert lang lautete das herrschende Dogma der Neurowissenschaft, dass das Gehirn sich in der frühen Kindheit bildet und später nicht mehr verändert.“ (4) Mit dem Abschied vom Maschinen- oder Computerparadigma des Gehirns sind neue Therapieansätze entstanden, die gezielt neuroplastische Prozesse initiieren wollen.

 

 

 

Der entscheidende Durchbruch zum Nachweis der lebenslangen Neuroplastizität des Gehirns gelang durch bildgebende Untersuchungsverfahren wie MRT sowie durch Verfahren wie EEG, die stärker zeitliche Abläufe widerspiegeln. Sie zeigen, wie schnell und auch langfristig sich das Gehirn umorganisieren kann. (5) Inzwischen ist erwiesen: Nicht nur das kindliche Gehirn, sondern auch das eines Erwachsenen kann lebenslang neue Nervenzellen und neue Verbindungen erzeugen. „Sie wandern dorthin, wo sie gebraucht werden und wo sie sich in die bereits bestehenden Gehirnschaltkreise einfügen oder sogar die Grundlage für einen neuen Schaltkreis bilden.“ (6) Das Gehirn vergrößert auch in fortgeschrittenem Alter bereits nach kurzer Zeit Funktionsbereiche, die stark gefordert werden wie Gehörsinn und Tastsinn, so zum Beispiel beim Erlernen eines Instruments.

 

 

 

Das Gehirn kann auch Schaltkreise für krankhafte Reaktionen stillegen. Je nachdem, was ein Mensch konzentriert denkt, intensiv fühlt oder häufig tut, vergrößert oder verkleinert er damit bestimmte Gehirnareale. Für häufig ausgeführte Funktionen stellt das Gehirn mehr Gewebe zur Verfügung, und es begrenzt den Bereich, der für Aktivitäten verantwortlich ist, die seltener ausgeführt werden.

 

 

 

Der US-amerikanische Neurowissenschaftler Richard Davidson beschreibt die Konsequenzen aus der Entdeckung der lebenslangen Neuroplastizität und der dynamischen Sicht des Gehirns als revolutionär für therapeutische Ansätze: „Ich bin davon überzeugt, dass die Psychologie in den nächsten Jahren von der Neuroplastizität umgekrempelt wird“. (7) Davidson weiter: „Die gegenwärtige Psychologie beruht zum Großteil auf der Vorstellung, dass im Gehirn unveränderliche Programme ablaufen, die das Verhalten, die Persönlichkeit und die emotionale Zustände bestimmen. Diese Sichtweise ist durch die Entdeckungen der Neuroplastizität zutiefst erschüttert worden. Neuroplastizität wird das Gegengewicht zur deterministischen Sichtweise (dass die Gene das Verhalten bestimmen) bilden. Die Botschaft, die ich meiner eigenen Arbeit entnehme, besteht darin, dass ich die Wahl habe, wie ich reagiere. Wer ich bin, hängt von den Entscheidungen ab, die ich treffe. Ich selbst bin verantwortlich für das, was ich bin.“ (8) Der Professor für Neurowissenschaften Michael M. Merzenich an der University of California konstatierte bereits 1996: „Wir entscheiden uns in einem sehr realen Sinn dafür, wer wir im nächsten Moment sein werden, und diese Entscheidungen hinterlassen in uns einen physischen Abdruck.“ (9)

 

 

 

Der Nutzer des Gehirns muss nicht in unglücklich sozialisierten oder ungünstig selbst geprägten Strukturen des Gehirns gefangen bleiben. „Identität“ wird zu einem freiheitlichen Projekt. „Wir sind keine Gefangenen des Gehirns, mit dem wir geboren werden, sondern in der Lage, bewusst zu bestimmen, welche Funktionen wir verstärken und welche wir abschwächen, welche moralischen Fähigkeiten wir entwickeln und welche Gefühle wir nähren wollen und welche nicht.“ (10) Der Neurowissenschaftler Fred Gage äußert dies klar: „Wenn das Gehirn sich verändern kann, dann können auch wir uns verändern. Und wenn das Gehirn falsche Veränderungen vornimmt, dann würden auch wir uns in die falsche Richtung entwickeln. Es war [lange Zeit – SB] einfacher zu glauben, dass überhaupt keine Veränderung möglich ist. Auf diese Weise konnte das Individuum so bleiben, wie es war.“ (11)

 

 

 

Eine Schlüsselrolle für die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen spielt in den Religionen die aufmerksame Beobachtung der eigenen mentalen, emotionalen und voluntativen Prozesse. Die Innenschau, die einst vorwiegend von Mönchen und Nonnen trainiert wurde, sowie die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitslenkung wird inzwischen durch die Vertreter der Positiven Psychologie umfassend als Schlüssel zu seelischer Gesundheit und Glück anerkannt und therapeutisch nutzbar gemacht. Francisca Cho, eine buddhistische Wissenschaftlerin von der George-Washington-Universität, verweist auf die Zusammenhänge zwischen buddhistischer Lehre und den achtsamkeitsbasierten Therapieverfahren: „Die Entdeckung, dass reines Denken genauso eine Wirkung hat wie konkretes Handeln, zeigt eine faszinierende Übereinstimmung mit der buddhistischen Lehre“. (12) Auch Richard Davidson hebt die zentrale Rolle der vormals in Religionen gelehrten Achtsamkeit hervor: „In vielerlei Hinsicht ist die Aufmerksamkeit der Schlüssel zur Formbarkeit des Gehirns.“ (13) Für Helen J. Neville, Professorin für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of Oregon, ist Achtsamkeit ein nahezu physisch reales Werkzeug: „Die Menschen denken, dass Aufmerksamkeit nur eine Art psychologisches Konstrukt ist, aber in Wirklichkeit kann man sie anfassen. Sie besitzt eine Anatomie, eine Physiologie und eine Chemie.“ (14) Die Wissenschaftsjournalistin Sharon Begley fasst den Zusammenhang zwischen konzentrierter Aufmerksamkeit (Achtsamkeit) und Neuroplastizität wie folgt zusammen: „das Gehirn ist nur dann formbar, wenn es in einem bestimmten Geisteszustand ist – nämlich in einem Zustand konzentrierter Aufmerksamkeit. Der Geist spielt eine entscheidende Rolle.“ (15)

 

 

 

Achtsamkeitsbasierte Therapien schulen ihre Patienten in der Selbstbeobachtung und sie vermitteln ihnen Methoden zur mentalen Selbststeuerung. Die Methoden sind vorwiegend fernöstlichen spirituellen Traditionen entlehnt. Durch die therapeutische Rezeption alter Mönchsübungen sind TherapeutInnen in der Postmoderne zu säkularen MeditationslehrerInnen geworden.

 

 

 

 

 

1.2 Achtsamkeitsbasierte Therapien: Stressreduktion, Heilung von Depression, Zwangserkrankungen und Borderline-Störung durch fernöstliche Übungen

 

 

 

Das in der Theorieentwicklung grundlegende Verfahren der achtsamkeitsbasierten Therapien ist die Mindfulnes Based Stress Reduction (MBSR). Aus ihr wurden weitere Verfahren für vielfältige Anwendungsbereiche abgeleitet. Für ein eingehenderes Studium der achtsamkeitsbasierten Therapien liegt inzwischen die umfassende Bibliographie von John C. Williams und Lidia Zylowska (2009) vor. (16)

 

 

 

Der US-amerikanische Molekularbiologe und Professor an der University of Massachusetts Jon Kabat-Zinn entwickelte in den späten 1970er Jahren ein Übungsprogramm für chronische Schmerzpatienten, die als austherapiert galten. Er wollte sie zu einem stressreduzierten Umgang mit ihren Schmerzempfindungen führen. Sein wichtigstes Ziel sah er darin, dass sie sich nicht durch zusätzliche Stressreaktionen belasteten. Kabat-Zinn war erfolgreich mit seinem Übungsprogramm und setzte es daraufhin auch bei Menschen mit Hauterkrankungen ein. Auch hier stieg der Behandlungserfolg durch die stressenkenden Übungen stark an. Inzwischen wird MBSR bei zahlreichen weiteren Erkrankungen mit eingesetzt.

 

 

 

Kabat-Zinns Übungsprogramm „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“ (MBSR) hilft, Stressreaktionen abzubauen. Denn Stress schwächt das Immunsystem und befördert dadurch negative Krankheitsverläufe. Im Buch „Gesund durch Meditation“ hat Kabat-Zinn sein Übungsprogramm öffentlich zugänglich gemacht und ausführlich kommentiert. (17) Inzwischen bilden in Deutschland mehrere Einrichtungen, die im Dachverband „MBSR-MBCT-Verband“ (www.mbsr-verband.de) zusammengeschlossen sind, MBSR-Lehrer aus. (18)

 

 

 

Wie wirkt MBSR? Die PatientInnen verringern durch spirituelle Übungen negative Bewertungen ihrer Situation. Sie erfahren dadurch weniger Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit. Der Patient geht bei den achtsamkeitsbasierten Therapien eigenverantwortlich mit seiner Situation um. Ihm wird zugetraut, die Krankheit mithilfe der Übungen besser bewältigen zu können oder sogar Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Es ist wichtig, dass er hierfür als Grundhaltung Akzeptanz entwickeln lernt und eine verbesserte Selbstwahrnehmung durch eine geschulte Aufmerksamkeit einübt. Achtsamkeitsbasierte Therapien können daher nur PatientInnen helfen, die zur Mitarbeit an der Verbesserung ihrer Situation bereit sind.

 

 

 

Ein MBSR-Einführungskurs dauert in seiner Standardform acht Wochen. Er besteht aus je einer wöchentlichen Gruppensitzung von zweieinhalb Stunden. In der Zeit zwischen den Sitzungen wird von den PatientInnen erwartet, täglich etwa 45 Minuten daheim zu üben.

 

 

 

Die Konzentrationsfähigkeit, die Selbstwahrnehmung und die akzeptierende Grundhaltung werden in MBSR durch folgende Übungen geschult:

 

 

 

- Bodyscan: Einüben achtsamer Körperwahrnehmung,

 

- Sitzmeditation: Kennlernen und einüben des Sitzens in der Stille,

 

- Gehmeditation: Ausführen langsamer Bewegungen, z.B in der Gehmeditation,

 

- einfache Yogastellungen sanft und achtsam ausführen,

 

- Breathing-Space: eine dreiminütige Achtsamkeitsübung,

 

  • Aufrechterhalten der Achtsamkeit bei alltäglichen Verrichtungen wie beim Essen, Duschen oder der Hausarbeit.

 

 

 

Zusätzlich zählen zum Kurs Kurzvorträge zu verschiedenen Themen, wie zum Umgang mit Stress, mit Gefühlen und dem Körper oder über achtsame Kommunikation, mit anschließendem Erfahrungsaustausch und Gruppengesprächen. In der sechsten Kurswoche findet ein Tag der Achtsamkeit statt.

 

 

 

Der spirituelle Hintergrund von Kabat-Zinns MBSR-Programm ist offenkundig. Yoga stammt aus der hinduistischen Tradition, die Sitzmeditation aus Zazen, das Achtsamkeitstraining bei alltäglichen Verrichtungen spielt in Vipassana eine große Rolle.

 

Bei all diesen Übungen geht es zunächst darum, eine nicht wertende Haltung zu erlernen, denn Stress wird vor allem durch negative Bewertungen ausgelöst. Die zu erlernende Grundhaltung der Akzeptanz zielt darauf, dass der Übende alles akzeptiert, was er im Augenblick wahrnimmt. Dies können angenehme oder unangenehme Gefühle sein, Körperempfindungen wie Anspannung oder Kribbeln, eigene Gedanken.

 

 

 

Wissenschaftliche Studien haben die Wirkung von MBSR u.a. für folgende Erkrankungen nachgewiesen: bei der Behandlung von Schmerzzuständen (z.B. Kopfschmerzen und Migräne, Fibromyalgie), in der Reha nach Hirnverletzungen, bei Herzkrankheiten, Arthritis, Immunschwäche (AIDS), häufigen Infektionskrankheiten, Ängsten und Panikattacken, Depressionen, Hauterkrankungen, Schlafstörungen, Tinnitus, Magenproblemen, Fettleibigkeit und dem Burn-out-Syndrom. Metaanalysen zur Wirksamkeit von MBSR haben erwiesen: MBSR hat „durchweg einen positiven Effekt mittlerer Größe auf die psychische Gesundheit der Teilnehmer“. (19) „Die Effekte waren zeitlich stabil und fielen bei Gesunden höher aus als bei Patienten. Die positiven Wirkungen auf die körperliche Gesundheit waren im Durchschnitt geringer und variierten stärker zwischen den Studien.“ (20)

 

 

 

MBSR wirkt hierbei unspezifisch auf den psychosomatischen Gesamtzustand. Deshalb kann es bei einer großen Bandbreite von stressbedingten Erkrankungen und inzwischen auch bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden.

 

 

 

Für verschiedene seelische Erkrankungen wurden inzwischen eigene MBSR-Varianten entwickelt. Die wichtigsten davon sind die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT) zur Behandlung von Depression, die von Jeffrey M. Schwartz entwickelte Therapie von Zwangserkrankungen (21) und die Dialektisch-behavorialen Therapie (DBT) von Marsha M. Linehan zur Behandlung der Borderline-Erkrankung. Im Folgenden gehe ich näher auf die achtsamkeitsbasierte Behandlung von Depression ein. Hierbei lege ich den Schwerpunkt auf den neuen Umgang mit Gedanken, den die Übenden dort erlernen.

 

Die Psychotherapieforscher und kognitiven Verhaltenstherapeuten Zindel V. Segal, J. Mark G. Williams und John Teasdale entwickelten auf der Basis von MBSR ein Programm zur Rückfallprävention bei Depression. Hierfür fügten sie Interventionen aus der Kognitiven Verhaltenstherapie bei Depression ein. (22) Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT) verzichtet auf das Rekonstruieren von Ursachen der Depression. Sie zielt darauf, negative Denkmuster zu verändern, um dadurch auch die Emotionen zu verändern. „Der Therapieansatz besteht darin, dysfunktionales Denken neu zu bewerten und den Menschen dabei zu helfen, sich von negativen Gedanken wie ´Ich habe den Job nicht bekommen, weil ich dazu verdammt bin, arbeitslos zu sein´ zu befreien.“ (23)

 

 

 

Zwei erste randomisierte kontrollierte Studien aus den Jahren 2000 und 2004 erwiesen die Wirksamkeit dieses Übungsprogramms. Bei Patienten, die bereits drei oder mehr depressive Episoden erlebt hatten, reduzierte sich im Vergleich zur Standardbehandlung signifikant das Rückfallrisiko. Aktuelle Metaanalysen bestätigen das Ergebnis.

 

 

 

Ein MBCT-Kurs für gleicht strukturell und inhaltlich weitgehend dem MBSR-Kurs. Meist umfasst er acht wöchentliche Sitzungen. In ihnen werden den PatientInnen die bereits oben beschriebenen MBSR-Übungen vermittelt: der Body Scan, die Sitzmeditation mit Atemfokus, die Achtsamkeitsmeditation bei alltäglichen Verrichtungen, die Gehmeditation und sanfte Yogaübungen. Parallel dazu verlaufen klassische kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen: Psychoedukation (wissenschaftliche Aufklärung über die eigene Erkrankung) zur Depression, Hinweise zum Umgang mit automatischen Gedankenschleifen, Anregungen zum Aufbau angenehmer Aktivitäten.

 

 

 

Segal, Williams und Teasdale gingen davon aus, dass bereits ein entscheidender Heilungserfolg erzielt wird, wenn die PatientInnen gelernt haben, depressive Gedankengänge nicht als die Wirklichkeit, sondern lediglich als Vorgänge im Geist wahrzunehmen. Diese Grundhaltung ermöglicht eine innere Distanzierung von negativen Gedankenschleifen. Wenn Gedanken lediglich als Gedanken eingestuft werden, dann lösen sie seltener einen depressiven Schub aus. Statt auf trostlose Gedanken als vermeintlich wahre Beschreibung der Wirklichkeit zu reagieren, lernen die Patienten, ihre Gedanken zu beobachten und sie kommen und gehen zu lassen.

 

 

 

Der emotionale Abstand von den eigenen Gedanken – statt der Identifikation mit ihnen – erschließt den Übenden einen lichten Raum des offenen Bewusstseins und lässt depressive Gedanken zu einer „vorübergehenden Show“ verblassen. Die Einstufung von negativen Gedanken als „vorübergehende Show“ nimmt ihnen ihre tyrannische Macht und eröffnet neue Sichtweisen. Die MBCT-Therapeutin Dr. Linda Lehrhaupt leitet ihre Patienten an: „Wenn wir im klaren, mächtigen Raum eines offenen Bewusstseins sind, in dem wir die Gedanken nur auftauchen und vergehen sehen können, macht es nicht wirklich etwas aus, welche Gedanken in unserem Geist auftauchen. Wir können unsere Gedanken als die ´vorübergehende Show´ sehen, die sie sind.“ (24)

 

 

 

Diese neuen Therapieansätze, die das heilende Potenzial spiritueller Übungen für ihre Patienten erschließen, fordern die heutige Seelsorge dazu heraus, einen eigenen christlichen Achtsamkeitsbasierten Seelsorgeansatz zu entwickeln.

 

 

 

 

 

2. Respiritualisierung am Beispiel Evangelischer Seelsorge: Grundzüge einer Achtsamkeitsbasierten Seelsorge in christlicher Tradition

 

 

 

2.1. Respiritualisierung statt Selbstsäkularisation

 

 

 

Wie sollte sich evangelische Spiritualität in einer respiritualisierten Moderne verhalten? Ich veranschauliche meinen Lösungsvorschlag exemplarisch an der evangelischen Seelsorge. Denn sie durchlief in den 1970er Jahren selbst einen Säkularisierungsprozess im Zuge ihrer Selbstprofilierung als therapeutische Seelsorge. Hierbei verzichtete sie zunehmend auf religiöse Praktiken wie Gebet, Beichte oder Arbeit mit biblischen Texten. (25)

 

 

 

Mein Vorschlag fußt darauf, die therapeutischen Errungenschaften der Moderne in der Seelsorge (und darüber hinaus in der Debatte über evangelische Spiritualität) zu erhalten und sogar im Dialog mit den Neurowissenschaften und der Meditationsforschung auszubauen, darüber hinaus aber eine theologisch reflektierte Respiritualisierung als Kern einer postmodernen Seelsorge (und evangelischen Spiritualität) zu verankern. Im Folgenden stelle ich das Konzept einer wissenschaftlich reflektiert respiritualisierten evangelischen Seelsorge mit bleibend modernem Profil vor: Achtsamkeitsbasierte Seelsorge.

 

 

 

Eine erste praxisorientierte Darstellung einer Achtsamkeitsbasierten Seelsorge habe ich 2011 im Aufsatz „Postmoderne Seelsorge. Mentales Coaching, Heilung und Mystagogie“ gegeben. Im selben Jahr erschien das Übungshandbuch für die Achtsamkeitsbasierte Seelsorge unter dem Titel: „Mystik und Coaching“. (26)

 

 

 

Achtsamkeitsbasierte Seelsorge kann an die überlieferten Traditionen von Achtsamkeitsübungen anknüpfen, die bereits aus dem frühen Mönchtum bekannt sind. „Die einübende Praxis ist der wichtigste Weg ins Christentum, zur Gottes- und Selbsterkenntnis. Das Reflexionsvermögen des Menschen ist so lange fehlgeleitet, wie er nicht selbst in der Wahrheit lebt. (…) Daher gab es über Jahrhunderte Übungen dafür, dass der Mensch seinen Standort im Denken, Fühlen und Wollen in Bewegung bringt und diese seelischen Grundkräfte klärt (´reinigt´) und reifen lässt.“ (27)

 

 

 

Evangelische Seelsorgekonzepte, die Übungen in die Seelsorgepraxis integrieren, sind noch aus der lutherischen Seelsorgetradition bekannt. Eines der letzten großen Seelsorgekonzepte in dieser Tradition stammt von Dietrich Bonhoeffer. In seiner Finkenwalder Seelsorge-Vorlesung (1935-1939) unterteilt Bonhoeffer die Seelsorge in zwei Phasen: die der „diakonischen“ und die der „kerygmatischen“ Seelsorge. (28) Übungen haben bei Bonhoeffer ihren Platz in der Phase der diakonischen Seelsorge. Sie dienen dazu, die Persönlichkeit des Ratsuchenden aufzubauen, ehe dieser mit geistlichen Themen und Herausforderungen konfrontiert wird.

 

 

 

Achtsamkeitsbasierte Seelsorge als eine Grundgestalt postmoderner Seelsorge baut auf den Erkenntnissen und Methoden der pastoralpsychologischen Bewegung auf. Spiritualität und spirituelle Übungen ersetzen in ihr nicht die pastoralpsychologische Reflexion und Methodik. Das neue an diesem Seelsorgemodell ist, dass es sich nicht mit einer therapeutischen Reduktion (und ebenso wenig mit einer sozial engagierten Reduktion) von Seelsorge begnügt. Achtsamkeitsbasierte Seelsorge ist, über therapeutische Anliegen hinaus, auch spirituell lebendige Seelsorge. Sie ist offen für Mystagogie. (29)

 

 

 

Mystagogische Praxis – als Teil der Seelsorgepraxis – begleitet Menschen auf dem christlichen mystischen Weg von Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung. Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass die mystische Einheitserfahrung ein großes therapeutisches Potential enthält. So führt Renaud van Quekelberghe, Professor für Klinische Psychologie, aus: „Auf das therapeutische Potenzial intensiver Einheitserfahrungen für Erwachsene wurde bei einer Vielfalt von Situationen und psychischen Störungen wiederholt hingewiesen, so z.B. in lebensbedrohlichen Situationen (z.B. Noyes und Slymen, 1979), bei der chronifizierten Trauerreaktion (z.B. Aberlach, 1987), bei den posttraumatischen Belastungsstörungen (z.B. Decker, 1993).“ (30) Eine Einheitserfahrung oder Gottesbegegnung kann zwar nicht methodisch herbeigeführt werden, doch spirituelle Übungen können Menschen auf spirituelle und Einheitserfahrungen vorbereiten.

 

 

 

Wie lassen sich spirituelle Übungen so in den Alltag integrieren, dass sie die Übenden nicht belasten, sondern entlasten und klärend wirken? Auch ein 45-minütiges Übungsprogramm wie das von MBSR und MBCT (siehe oben) wird von Menschen mit einem angefüllten Familien- und Berufsalltag nur schwer durchzuhalten sein.

 

Achtsamkeitsbasierte Seelsorge arbeitet mit einem inzwischen in der Seelsorgepraxis bewährten (31) minimalistischen und zugleich leistungsstarken Trainingsprogramm. Sie verbindet fünf Anliegen miteinander, die zugleich ihr protestantisches Profil ausmachen:

 

 

 

  1. Alltagstauglich sein: Die Übungen sollen handlich sein wie ein iPhone – eine „Mystik to go“, die nicht auf Kosten von Familien- und Berufsalltag geht.

  2. Weltlichkeit stärken: Übungen sollen das Bewusstsein nicht weltflüchtig vernebeln, sondern für eine stärkere Präsenz im Hier und Jetzt klären.

  3. Sicherheit durch Wissenschaftlichkeit: Die Übungen sollen wissenschaftlich reflektiert und sicher sein, damit Übende z.B. nicht tagelang in Ohnmacht fallen wie von mittelalterlichen Klosterchroniken berichtet wird.

  4. Autonomie stärken: Die Übenden sollen im Sinne des allgemeinen Priestertums autonom von Gurus sein und ihren spirituellen Weg selbst verantworten. Dies setzt eine intellektuelle Vermittlung der Übungen und ihres wissenschaftlichen Kontextes (Meditationsforschung, Psychologie, Theologie) voraus.

  5. Solus Christus, sola gratia: Die Übungen sollen in ihrem christlichen Profil in Christi Gegenwart im Hier und Jetzt hineinführen und das sola gratia erfahrbar machen. Zugleich sind multikulturelle und multireligiöse Varianten für verschiedene seelsorgerliche Handlungsfelder (z.B. Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge) vorgesehen.

 

 

 

Die Offenheit für die spirituelle Dimension des Lebens und für die Gegenwart Christi in allen Dingen und Prozessen bildet die Mitte, von der her der Achtsamkeitsbasierte Seelsorger arbeitet. Diese Offenheit kann, aber muss nicht expliziter Gesprächsinhalt werden. Sie bildet die Grundhaltung, aus der heraus der oder die SeelsorgerIn arbeitet. Die Anliegen des oder der Ratsuchenden bleiben, wie in der therapeutischen Seelsorge, führend. Achtsamkeitsbasierte Seelsorge verfolgt, im Unterschied zur traditionellen kerygmatischen Seelsorge, keine Missionsziele. Die Wertschätzung des Klienten und die Präsenz des Seelsorgers/der Seelsorgerin für seine Anliegen stehen bei ihr im Vordergrund. Der Seelsorger der Postmoderne ist Dienstleister, kein Missionar.

 

Je nach Anliegen des oder der Ratsuchenden begleitet Achtsamkeitsbasierte Seelsorge ihn oder sie zu drei möglichen Entwicklungsstufen bzw. Hauptzielen hin. Diese folgen dem mystagogischen Weg der mentalen Klärung und Reifung des Menschen. Seit der Antike wird dieser Weg in den Stufen von Reinigung (purificatio), Erleuchtung (illuminatio) und Vereinigung (unio) beschrieben. In den heutigen Sprachkontext übersetzt, lauten diese Stufen bei der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge: Coaching (mentale Klärung), Heilung (durch Aufmerksamkeitslenkung auf Gottes Gegenwart), Mystik (Eintauchen in Gottes Gegenwart).

 

 

 

Achtsamkeitsbasierte Seelsorge fokussiert weniger auf Einzelprobleme. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung grundsätzlicher Problemlösefähigkeiten und Kompetenzen durch die Schulung der drei grundlegenden Bewusstseinskräfte: Denken, Fühlen und Wollen anhand von drei Grundübungen. Die Übungen hierfür lassen sich rasch vermitteln. Der Seelsorger begleitet die Übenden bei der Integration der Übungen in den Alltag und beim Prozess der Selbst-Bewusstwerdung durch die Übungen. Hierbei sind auch die Methoden der therapeutischen Seelsorge aus verschiedenen psychologischen Schulrichtigungen sehr hilfreich.

 

 

 

Auf der Coaching-Stufe (in der klassischen mystagogischen Terminologie: purificatio – Reinigung des Bewusstseins) der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge geht es um Persönlichkeitsentwicklung durch Klärung der eigenen Willensimpulse, durch das Aussteigen aus Überlebenskampf-Gefühlen und durch Klärung des Gedankenchaos zugunsten einer zunehmenden inneren Stille und Klarheit.

 

 

 

Ich skizziere im Folgenden die Arbeit mit den drei Grundübungen für die Coaching-Stufe. Für eine ausführliche Darstellung der drei Grundübungen sowie der Arbeit auf den mystagogischen Stufen sei auf das Übungshandbuch „Mystik und Coaching“ (2011) verwiesen.

 

 

 

 

 

2.2. Exerzitium Wille: Bewusst mit Pflichtvorgaben und Wünschen Anderer umgehen

 

 

 

Die Willensübung besteht aus einer spielerischen Minihandlung eigener Wahl (zum Beispiel kurz mit dem Zeh zu wackeln) oder einer Powergeste. Die Powergeste sollte den Übenden an eine Handlung erinnern, die er gerne ausführt und bei der er sich ganz bei sich selbst fühlt (zum Beispiel eine angedeutete kurze Armbewegung für Schwimmen oder Fingerbewegungen für Klavierspielen). Es genügt, diese Minigeste eine Sekunde lang durchzuführen. Man muss dabei nichts zusätzlich denken oder empfinden. Die Übung sollte mitten in den Alltagstrubel passen. Zuviel Aufwand würde Alltagsabläufe stören. Wer die Übung intellektuell anreichern möchte, mag dazu denken: „Ich bin bei mir.“ oder: „Ich will auch etwas.“ Am wichtigsten ist der stündliche Übungsrhythmus, denn er erzeugt langfristig eine hohe Daueraufmerksamkeit im Willensbereich. Wer die Übung häufig vergisst, kann in einen halbstündlichen Rhyhthmus wechseln. Wer hingegen vom stündlichen Rhythmus ängstlich besessen ist, sollte die Übung seltener ausführen.

 

 

 

Um Zwanghaftigkeit und Stress durch Leistungsorientierung zu vermeiden, empfiehlt sich ein toleranter Umgang mit den stündlichen „Treffern“: 15 Minuten vor oder und nach der vollen Stunde ergeben einen halbstündigen Ergebniskorridor für „Treffer“ („Korridor der Barmherzigkeit“).

 

 

 

Das Übungsziel liegt in einer gesteigerten Aufmerksamkeit im Willensbereich. Übende nehmen bereits nach einigen Tagen wahr:

 

 

 

  • wie stark sie von eigenen kleinen Vorhaben wie dieser Minigeste ablenkbar sind,

  • wer die stärksten Ablenker sind,

 

  • wie das eigene Tagesprofil verläuft (Zeiten mit starker und geringer Ablenkung),

 

  • wann sie am stärksten Burnout-gefährdet sind.

 

Zu den stärksten Ablenkern zählen Menschen, die durch Pflichtvorgaben inneren Druck aufbauen, und Menschen, die Wünsche an einen herantragen. Innere Ablenker sind häufig die eigenen Gedanken.

 

 

 

Die Übung baut Kontakt zu den eigenen Wünschen auf. Sie nötigt durch die stündliche Fokussierung dazu, nicht mehr die volle Aufmerksamkeit nach außen zu lenken. Dadurch fördert sie, psychoanalytisch betrachtet, den Ausstieg aus Symbiosen (Zustand des völligen Verschmelzens mit Anderen und deren Wünschen) und die eigene Beziehungsfähigkeit (Fähigkeit, sich selbst weiterhin im Kontakt mit anderen zu spüren und Interaktionen bewusst gestalten zu können). Reißt der Kontakt zum bewussten eigenen Willen (überprüfbar durch die Minihandlung) zu lange ab, ist man deutlich Burnoutgefährdet und umso schwerer wird der eigene Alltag und sein Beziehungsgeschehen steuerbar. Umgekehrt gilt: Je mehr die Übung dazu führt, Teile der Aufmerksamkeit in Interaktionen bei sich zu behalten, desto stärker nimmt das Kontrollgefühl über das eigene Leben zu. Desto weniger erlebt man sich als Opfer anderer oder als Opfer der Umstände. Man lernt zunehmend, Prioritäten zu setzen statt Dauerüberforderungen abzuarbeiten.

 

 

 

 

 

2.3. Exerzitium Gefühle: Neue neuronale Netzwerke verschalten

 

 

 

Ein selbstbewusster Wille ist eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung, um ein glückliches Leben zu führen. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, aus Überlebenskampfgefühlen aussteigen zu können und die eigentlich menschlichen Gefühle erleben zu können. Zu Überlebenskampfgefühlen zählen Angst, Wut, Schmerz, Scham, Schuld, Hoffnungslosigkeit, Lähmung. Die Gefühle, die uns Menschen als Wesen ausmachen, werden in der Bibel auch als „Früchte des Heiligen Geistes“ bezeichnet (vgl. Gal 5,22f): Liebe, Freude, Friede, Sanftmut, Langmut.

 

 

 

Überlebenskampfgefühle sind Signalgefühle, die dringenden Handlungsbedarf anzeigen, weil Toleranzgrenzen überschritten wurden. Werden sie zu Dauersignalen, so schaden sie Menschen auch körperlich. Denn der Körper bekommt dann langfristig signalisiert, dass er um sein Überleben kämpfen muss und keine Zeit zur Regeneration hat.

 

 

 

Aus der Meditationsforschung ist inzwischen bekannt: Bewusstseinsphänomene wie Gedanken, Gefühle, Worte sind starke Heilwerkzeuge! Sie können neuronale Netzwerke im Gehirn auf- und umbauen. Meditation hat diese Werkzeuge schon lange gekannt und gezielt für Heilungen eingesetzt. Ist man tief entspannt und konzentriert sich auf einen Gedanken, dann erscheint die Botschaft dem Gehirn realer als Signale aus der Außenwelt. Der Stirnlappen fängt an, neuronale Netze auszuwählen und miteinander zu verschalten, um den Inhalt widerzuspiegeln. Die innere Wirklichkeit fühlt sich danach wirklicher an als die äußere Situation. Der Gedanke wird zu einer inneren Erfahrung. Das Gehirn stellt chemische Botenstoffe her, erzeugt stimmige Gefühle und sendet einen Botenstoff – ein Neuropeptid – an Körperzellen. Am Ende der Sendekette erhält die DNA der Zellen eine Botschaft, den Körper passend zum vorgestellten Gedanken umzubauen. Die DNA reguliert Gene herunter, die zur vorgestellten Situation nicht mehr passen und reguliert Gene herauf, die dem vorgestellten neuen Zustand entsprechen. (32) Die körperlichen Ergebnisse von Gedanken sind inzwischen messbar geworden. Wird der Körper zum Beispiel durch innere Bilder zu Emotionen wie Liebe, Freude, Vertrauen, Hoffnung geführt, dann laufen die Selbstheilungsprozesse wesentlich schneller ab. (33)

 

 

 

Religionen versuchen, Menschen durch heilsame Bilder aus einengenden und krank machenden Überlebenskampfgefühlen zu heilsamen und für das Leben öffnenden Gefühlen wie Liebe, Glück, Ruhe zu führen. Beim Verinnerlichen biblischer Heilsszenen verwandeln Menschen diese Bilder in innere Seelenbilder und führen den Körper zur heilsamen Anpassung an die verinnerlichte Situation. Lässt sich ein Mensch auf diesen wahren menschlichen Grundzustand emotional ein, dann zieht ein neuer Geist, einschließlich heilsamer Hirnfrequenzen und chemischer Botenstoffe, körperlich in ihn ein.

 

 

 

Arbeit mit inneren Bildern entfaltet also, inzwischen durch die Meditationsforschung erwiesen:

 

 

 

  • ein großes Heilungspotential,

  • einen Ausweg aus Überlebenskampfgefühlen,

  • eine Gefühle steuernde Kraft,

  • persönlichkeitsbildende Kraft.

 

 

Solche Wirkungen kann jede innerliche Aneignung eines Evangelientextes entfalten. Da postmoderne Seelsorge jedoch interkulturell und interreligiös offen sein muss, arbeitet sie je nach Arbeitsfeld auch mit nichtbiblischen heilsamen Bildern, um Ratsuchende aus Überlebenskampfgefühlen zur Entfaltung ihres Wesens zu führen. Die religionsoffene Anleitung für diese Grundübung in der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge lautet:

 

 

 

Erschaffen Sie sich in der Phantasie eine Szene, in der Sie völlig loslassen können und wo Sie sich völlig geborgen fühlen.“ Bei ausdrücklich christlicher Ausrichtung können Menschen dazu ermutigt werden, sich in Evangelienszenen hinein zu versetzen oder sich an Momente der Geborgenheit in Gottes Gegenwart, möglichst mit allen Sinnen, zu erinnern. Besonders befreiend und heilsam wirkt die Arbeit mit Szenen aus der Tradition der Liebesmystik, angefangen vom Hohelied der Liebe bis hin zur Übertragung der Liebesmystik zwischen Gott und der menschlichen Seele in heutige Szenen. (34)

 

 

 

Wichtig ist die Verstetigung dieser Übung im Alltag. Anfangs können Übende die Zeit vor dem Einschlafen und Wartezeiten im Alltag nutzen, um zu lernen, innere Bilder aufzubauen und sinnlich in sie einzutauchen. Später sind die mit der inneren Szene verbundenen Gefühle auch ohne das Bild abrufbar. (35)

 

 

 

 

 

2.4. Exerzitium Gedanken: auf das Hier und Jetzt als Moment zur Gottesbegegnung fokussieren

 

 

 

Die wichtigste Übung der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge ist das Jesusgebet bzw. in einer multikulturellen und multireligiösen Offenheit (z.B. in der Krankenhaus-, Gefängnis- und Militärseelsorge) das mantrische Beten bzw. religionsoffen bis säkular formuliert: Meditieren („Mantra“ heißt Wiederholungsgebet) (36) Die christlichen Wüsteneinsiedler der im vierten Jahrhundert wiederholten ständig einen einzigen Psalmvers. Mantrisches Beten führt in das Zentrum christlicher Mystik. Die großen spirituellen Lehrer im Christentum bevorzugten zur ständigen Aufmerksamkeitslenkung auf die Gegenwart Gottes die mentale Sammlung in einem kurzen Wiederholungsgebet.

 

 

 

Die frühen christlichen Wüsteneinsiedler wählten Psalmverse wie „Der Herr ist mein Hirte.“

 

Johannes Cassianus (etwa 360-435) brachte diese Gebetsweise der Wüsten­einsiedler in das westliche Christentum. Er wählte den Psalm­vers 70,2: „Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen.“ Cassian kennt die mystische Kraft mantrischer Gebete und nennt sie „Formel der geistigen Schau“. (37)

 

 

 

Benedikt von Nursia (480-547), auf den das benediktinische Mönch­tum zurückgeht, übernahm Cassians Gebetsform für sein Kloster. Mit Cassians Gebets-Vers beginnen noch heute die Gebets­zeiten der Benediktiner.

 

Bruno von Köln (1027-1101), auf den das Mönchtum der Kartäuser zurückgeht, betete mit dem Wiederholungsgebet „O bonitas“ – „O Gutheit/ Güte!“

 

Franz von Assisi (1181-1226), der Gründer des Franziskaner-Ordens, betete Nächte durch mit dem Mantra „Deus meus et omnia“ – „Gott, Du mein Ein und Alles.

 

Die Mystiker-Schule, die mit der Anleitung „Die Wolke des Nicht­wis­sens“ aus dem 14. Jahrhundert betete, wiederholte spirituelle Wörter wie „Gott“, „Liebe“, „Sünde“. (38)

 

Der Gründer des Jesuiten-Ordens Ignatius von Loyola (1491-1556) lehrte seine Schüler das mantrische Beten zusammen mit einer Atemtechnik. Er gab ihnen hierfür die Gottesanrede „Vater unser“ und das Jesusgebet „Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner“. (39)

 

 

 

Alle orthodoxen Mönche und Nonnen beten bis zum heutigen Tag unun­ter­brochen das Jesusgebet „Jesus Christus, Sohn Gottes, erbar­me dich meiner“. Bis zur Gegenwart erreichen dadurch Christen höchste geistige Klarheit und Herzensreinheit. Meister aus der griechi­schen Mönchsrepublik auf dem Berg Athos wie Vater Paisios (40) und der Einblick in das Lehrer-Schüler-Verhältnis durch „Die Aufrich­tigen Erzählungen eines russischen Pilgers“ aus dem 19. Jahr­hundert bezeugen dies. (41)

 

 

 

Das Jesusgebet (bzw. das Wiederholungsgebet) führt, psychologisch betrachtet, wie in der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie (MBCT) Menschen dazu, bedrückende oder ängstigende Gedankenschleifen (Grübelschleifen) lediglich als Vorgänge im Geist wahrzunehmen. Dadurch können sich die Übenden von ihren einengenden Gedanken distanzieren. Statt die selbstschädigenden Gedanken als wahr und wirklich einzustufen, lernen die Übenden, diese Gedanken zunehmend distanziert zu beobachten und sie kommen und gehen zu lassen.

 

 

 

Aus medizinischer Sicht verweist Prof. Dr. Herbert Benson von der Harvard Medical School auf die zahl­reichen Forschungsergebnisse zu Heilungserfolgen durch Mantra-Medi­ta­tion bzw. durch mantrische Gebete: „Hier sind die zahlreichen Bewei­se, die meine Kollegen und ich am Mind/Body Medical Institute dafür gesammelt haben“. (42)

 

 

 

der Bluthochdruck sinkt deutlich,

 

chronische Schmerzen verringern sich,

 

75% der Patienten mit Einschlafstörungen wurden geheilt und konnten wieder normal schlafen, die übrigen 25% erlebten eine Besserung ihrer Schlafstörung,

 

bei Krebs- und Aidspatienten reduzierten sich die Symptome;

 

Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkungen der Chemotherapie ließen sich besser unter Kontrolle halten,

 

bei Patienten, die unter Angstzuständen und leichten oder mittelschweren Depressionen litten, trat eine deutliche Besserung ein,

 

bei Patienten mit Migräne reduzierten sich Häufigkeit und Heftigkeit der Anfälle. (43)

 

 

 

Nach Prof. Dr. Benson löst eine rund 20minütige Konzentration auf ein Mantra eine „Entspan­nungsreaktion“ aus. Diese tritt an die Stelle der alltäglichen „Kampf- oder Fluchtreaktion“. Die Entspannungsreaktion bewirkt im Körper Regenerationsprozesse:

 

 

 

der Stoffwechsel wird entlastet

 

der Blutdruck sinkt

 

die Herzfrequenz sinkt

 

die Atemfrequenz wird niedriger

 

    die Muskeln entspannen sich. (44)

 

 

 

Im Unterschied zur bei Benson vorausgesetzten Sitzmeditation liegt der Übungsschwerpunkt bei der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge im Alltag, da hier die Stress- und Konfliktmuster besonders rasch bewusst werden und der Alltag ein realistisches Feedback gibt. Die Einübungsstufen beim mantrischen Beten bzw. (religionsoffen bis säkular formuliert) Meditieren verlaufen über:

 

 

 

  1. Schulung der Konzentration (inmitten zahlreicher Gedankenimpulse den Fokus halten lernen),

  2. Automatisierung (der Fokus hat sich verstetigt und sinkt in tiefere Bewusstseinsschichten),

  3. Klärung des vormals Unbewussten und zunehmende innere Stille. Diese Prozesse öffnen die Wahrnehmungsfähigkeit für Transzendenzerfahrungen.

 

Cassian, der diese Gebetsform von den Wüsteneinsiedlern ins westliche Mönchtum brachte, nennt den mantrischen Gebetsvers „spiri­talis theoriae formula“, zu deutsch: „Gebetsform für das Schauen im Geist“ (45). In seinem Buch “Unterredungen mit den Vätern. Collationes Patrum“ beschreibt er die Übungsweise, den Verlauf mentaler Klärungsprozesse und Gotteserfahrungen mit dieser Gebetsform. Die ständige Sammlung des Geistes in Gott führt nach Cassian zur Unio mit Gott, in „jene Einheit, die nun zwischen Vater und Sohn besteht“. Es wird eine Einheit in „reiner und unauflöslicher Liebe“ sein, die das Ziel vorweg nimmt: „Damit alle eins sind, wie wir [Vater und Sohn] eins sind; ich in ihnen und du in mir“ (Johannes 17,22f). (46)

 

 

 

In der Achtsamkeitsbasierten Seelsorge lautet die Übungsanleitung für Einsteiger: Wiederholen Sie in ruhigen Phasen des Alltags, trotz des inneren Kopfkinos, möglichst oft (je nach säkularer bzw. religiöser Ausrichtung:) den Namen Jesu Christi oder einen Psalmvers oder einen Satz wie: „Gott Du in mir, ich in Dir“, „Ich bin ein Kind der Liebe.“ Der gewählte Satz oder das Wort dienen dazu, das eigene Bewusstsein mit den höchsten, klarsten Bewusstseinsschichten zu verbinden. Für die richtige Ausrichtung benötigen wir einen Gottesnamen oder ein Symbolwort wie „Liebe“.

 

 

 

Dadurch verstetigen die Übenden ihre Konzentration auf Gottes Gegenwart in allen Dingen unter allen Lebensumständen. Schon die ersten christlichen Wüsteneinsiedler berichten davon, wie krisenfest diese Gebetsfom macht. Sie entrümpelt nachhaltig unbewusstes Material: negative Selbstbilder, verinnerlichte Konfliktmuster, Überlebenskampfgefühle. Diese Gebetsform und die von ihr beförderten Prozesse der Bewusstwerdung können gut von therapeutischer Arbeit begleitet werden.

 

 

 

Abschließend möchte ich auf Erfahrungen von Übenden eingehen. Sie verdeutlichen zugleich den Gewinn, den auch die Seelsorgerinnen und Seelsorger für ihre Arbeit erfahren werden, wenn sie auf einem achtsamkeitsbasierten Übungsweg sind: vertiefte Selbst- und Fremdwahrnehmung, achtsamer Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen, sich getragen fühlen vom Fluss des Lebens, im wachen Augenblick inspiriert werden und weniger „Macher“ sein.

 

 

 

- „Manchmal läuft das Jesusgebet über einige Zeit parallel zu meinen Alltagsgedanken. Manchmal lasse ich es so laufen, aber manch­mal rufe ich mich auch zurück. Freundliche Konzentration, ja, aber doch Konzentration. Seit ein paar Tagen stelle ich mir das Jesus­gebet als Richtung vor, als Flussbett für meinen Lebensfluss. Ich lasse mich mit jedem Atem bzw. jeder Formel ins Flussbett fallen – damit ist auch die Richtung des Flusses klar. Ziel ist natürlich das Meer. Ich lasse mich also beim Beten ins Flussbett fallen, oder besser vom Fluss tragen. Seitdem ist auch mein Schreiben wieder klarer. Ich schreibe, um in Fluss zu bleiben, ich bete, um dem Fluss Boden und Richtung zu geben.“

 

 

 

- „Wann immer ich in schlechtes Grübeln verfalle, versuche ich lieber das Jesusgebet zu sprechen. Ich habe das Gefühl, dadurch falle ich nicht so tief, wie ich es ansonsten würde.

 

Letzte Woche war ich alleine Wandern. Eigentlich sollten es zwei Stun­den sein. Unfreiwillig wurden vier daraus. Das war toll, mal so lange am Stück zu beten. Ich hatte das Gefühl, an dem einen Tag einen ganzen Schritt nach vorne gemacht zu haben.“

 

 

 

- Vertiefte Wahrnehmung des Gegenübers: „Ich sitze in einem Café mit einer guten Freundin, trinke Kaffee. Wir reden über dies und das, ein wenig Smalltalk, Examen, Uni, Freun­de… Mir geht es gut, ich habe super Laune, die Sonne scheint. Auf einmal spüre ich ganz deutlich eine unglaublich starke Traurig­keit in mir, die immer stärker wird. Ich sage instinktiv: Dir geht es nicht gut. Du bist traurig, nicht wahr? Und in eben jenem Moment über­schwemmt mich das Gefühl und mir schießen die Tränen in die Augen. Und meine Freundin fängt an zu weinen und stammelt nur ein: Ja, ich weiß auch nicht. Da ist seit Tagen was, aber ich wusste nicht genau was. Und wir gucken uns nach einer langen Umarmung et­was verwirrt an. Zufall?? ... Meine Intuition stimmt in dieser Zeit immer. Merkwürdig. Ich bekom­me eine SMS, ich weiß es vorher und von wem. Ich denke an jeman­den, er ruft an. Ich fühle mich nicht mehr losgelöst, ich bin irgend­wie mit allem verbunden. Ich muss nur in mich hineinhorchen, mich nicht ablenken lassen, alles ist in mir.“

 

 

 

Postmoderne Seelsorge zielt, wie die wachsende Anzahl spirituell basierter Therapien, auf Klärungs- und Heilungsprozesse durch (teils säkularisierte) spirituelle Übungen. Doch sie reduziert sich nicht auf Therapie. Als christlich motivierte Seelsorge geht sie im Kern davon aus, dass Gott der eigentliche Heiler ist und dass die Gotteserfahrung das stärkste Verwandlungs- und Heilungspotential enthält. Diese Erfahrung ist nicht machbar. Achtsamkeitsbasierte Seelsorge weiß um ihren vorbereitenden, adventlichen Charakter.

 

 

 

- „Ich war im überfüllten Bus. Sonst beginne ich Menschen in diesem Moment zu hassen. An diesem Tag empfand ich einfach nur ein tiefes Gefühl von Liebe für diese Menschen. Ich war voller Liebe. Ich verstand es selbst nicht.“ „Kann es sein, dass ´Gott´ überall ist – in jeder Blüte, in jedem Menschen – nur jedes Mal auf andere Art?“

 

 

 

Für eine postmodern profilierte evangelische Spiritualität gilt, über das exemplarische Gebiet der Seelsorge hinaus, mutatis mutandis: Die Zukunft verschließt sich einem historisierenden reprint von einer sogenannten praxis pietatis Luthers, des Pietismus oder Bonhoeffers, und sie verschließt sich ebenso einer banaler Selbstsäkularisierung, wie sie noch in den 1960er und 1970er Jahren für die Stadt ohne Gott verkündet wurde.

 

 

 

Evangelische Spiritualität atmet in kultureller Offenheit und im wissenschaftlich verantworteten Dialog. Ihr Profil liegt in reflektierten Anleitungen zu einer Besinnungspraxis auf den gegenwärtigen Jesus Christus (solus Christus), die gleichzeitig die Persönlichkeitsentwicklung und Autonomie der Übenden (die Eigenverantwortung des je eigenen Glaubens und Lebens) fördert.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

(1) Matthias Horx nennt „Respiritualisierung“ als „Megatrend“ seit den 1990er Jahren. Vgl. Matthias Horx, Trendbuch, Bd. 1: Der erste große deutsche Trendsport, München 1993. Vgl. die Rezeption des Respiritualisierungs-Trends bei Psychologen wie Tanja Scagnetti-Feurer, Himmel und Erde verbinden. Integration spiritueller Erfahrungen, Würzburg 2009, 51ff: „Religiosität und Spiritualität im gesellschaftlichen Wandel“.

 

 

 

(2) Vgl. Detlef Pollack, Religion und gesellschaftliche Differenzierung, 2016, 224ff.

 

 

 

(3) Vgl. den Versuch eines umfassenden Überblicks bei Renaud van Quekelberghe, Grundzüge der spirituellen Psychotherapie, Eschborn bei Frankfurt 2007.

 

 

 

(4) In: Sharon Begley, Neue Gedanken – neues Gehirn. Die Wissenschaft der Neuroplastizität beweist, wie unser Bewusstsein das Gehirn verändert, München 2007, 2. Aufl., S. XiV.

 

 

 

(5) Vgl. einführend das Buch des deutschen Meditationsforschers Ulrich Ott, Meditation für Skeptiker, München 2015, 139ff.

 

 

 

(6) Begley, a.a.O. (Anm. 4), 112.

 

 

 

(7) In: Begley, a.a.0., 433.

 

 

 

(8) Richard Davidson, in: Begley, a.a.O., 433f.

 

 

 

(9) Merzenich, in: Begley, a.a.O., 284.

 

 

 

(10) Begley, a.a.O., 430, vgl. 287ff.

 

 

 

(11) In: Begley, a.a.O., 8.

 

 

 

(12) In: Begley, a.a.O., 20.

 

 

 

(13) In: Begley, a.a.O., 285.

 

 

 

(14) In: ebd.

 

(15) Begley, a.a.O., 231.

 

 

 

(16) Mindfulness Bibliography, in: Mindful Awareness Research Center, UCLA (University of California, Los Angeles) Semel Institute, URL: http://marc.ucla.edu/body.cfm?id=38 (Abgerufen: 20.03.2016)

 

 

 

(17) Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung, Frankfurt am Main 2006. Vgl. die kurze Einführung bei Ulrich Ott, Meditation für Skeptiker. Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst, München 2010, 157ff. Vgl. weiterführend auch die zahlreichen Online-Vorträge von Kabat-Zinn auf You Tube.

 

 

 

(18) www.mbsr-verband.org

 

 

 

(19) Ott, a.a.O. (Anm. 17), 166.

 

 

 

(20) Ott, a.a.O., 166.

 

 

 

(21) Jeffrey Schwartz/Beverly Beyette, Brain Lock: Free Yourself from Obsessive-Compulsive Behavior, New York 1997; Jeffrey Schwartz, You Are Not Your Brain: The 4-Step Solution for Changing Bad Habits, Ending Unhealthy Thinking, and Taking Control of Your Life, New York 2011.

 

 

 

(22) Zindel V. Segal, J. Mark G. Williams, John D. Teasdale, Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie der Depression. Ein neuer Ansatz zur Rückfallprävention, Tübingen 2008.

 

 

 

(23) Begley, a.a.O. (Anm. 4), 252, vgl. ihre Einführung dort.

 

 

 

(24) Institut für Achtsamkeit und Stressbewältigung – Dr. Linda Lehrhaupt, Arbeitsheft für MBCT-KursteilnehmerInnen, o.J., Kapitel 6.7.

 

 

 

(25) Vgl. damals federführend Joachim Scharfenberg und Dietrich Stollberg, einführend Doris Nauer, Seelsorgekonzepte im Widerstreit, Stuttgart 2001, 138ff und 173ff.

 

 

 

(26) Sabine Bobert, Seelsorge in der Postmoderne. Mentales Coaching, Heilung und Mystagogie, in: WzM 63 (2011), 258-272, mit Anknüpfung an die christliche Seelsorgetradition, die mit Übungen arbeitete: zuletzt im Rahmen der Kerygmatischen Seelsorge bei ihren Vertretern Hans Asmussen und Dietrich Bonhoeffer. Sabine Bobert, Mystik und Coaching, Münsterschwarzach 2011.

 

 

 

(27) Bobert, Seelsorge, a.a.0., 260.

 

 

 

(28) Vgl. Sabine Bobert-Stützel, Beratung oder Verkündigung? Die Sicht auf eine aporetische Fragestellung der Poimenik von D. Bonhoeffers Seelsorgeverständnis her, in: PTh 84 (1995), 199-212.

 

 

 

(29) Zu meinem Verständnis von Mystagogie und daraus abgeleiteten Konsequenzen für die Praktische Theologie vgl. die umfassende Darstellung in: Sabine Bobert, Jesusgebet und neue Mystik, Kiel 2010. Die Definition von Mystagogie dort: 95-103.

 

 

 

(30) Vgl. Quekelberghe, a.a.O. (Anm. 4), 87 und 102f. Zitat: 102f.

 

 

 

(31) Derzeit arbeitet Maarja Eik an der Universität Kiel an einer Dissertation auf der Basis einer empirischen Langzeitstudie zu diesem Seelsorgeansatz: "Das Jesusgebet im postmodernen Kontext. Eine qualitative Studie zur Grundlegung einer achtsamkeitsbasierten (mindfulness based) Seelsorge" (Arbeitstitel).

 

 

 

(32) Vgl. Joe Dispenza, Du bist das Placebo, 2014, 148ff.

 

 

 

(33) Vgl. a.a.O., 168-172.

 

 

 

(34) Vgl. mein Aufgreifen dieser Tradition in Bobert, Jesusgebet, a.a.O. (Anm. 29), 259ff und 346ff.

 

 

 

(35) Zur näheren Beschreibung der Gefühlsübung vgl. Bobert, Mystik und Coaching, a.a.O. (Anm. 26), 45ff.

 

 

 

(36) Die ersten christlichen Wüsteneinsiedler nannten diese Gebetsform „ruminatio“ (lateinisch), zu deutsch „wiederkäuen“. Sie hatten dabei das Kamel als Widerkäuer vor Augen.

 

 

 

(37) Johannes Cassian, Unterredungen mit den Vätern, Collationes Patrum. Teil 1: Colla­tiones 1 bis 10, Münsterschwarzach 2011, Coll. X,10, S. 310, hier übersetzt mit: „eine Gebetsform für das Schauen im Geist“.

 

 

 

(38) Willi Massa, Kontemplative Meditation. Die Wolke des Nichtwissens. Einführung und Anleitung, Mainz 1974.

 

 

 

(39) Sabine Bobert, Jesusgebet und neue Mystik, Kiel 2010, 323ff.

 

 

 

(40) Paissios der Agiorit, Athonitische Väter und Athonitisches, Sourotí bei Thessaloniki 112005; Kyriacos C. Markides, The Mountain of Silence, New York 2001.

 

 

 

(41) Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, hg. v. Emmanuel Jungclaussen, Freiburg 2010, 17. Auflage. Dazu Bobert, Jesusgebet, a.a.O. (Anm. 39), 316ff.

 

 

 

(42) Herbert Benson, Heilung durch Glauben, München 1977, 176.

 

 

 

(43) Ebd.

 

 

 

(44) A.a.O., 158.

 

 

 

(45) Cassian, a.a.O. (Anm. 37) , Coll. X,10, S. 310.

 

 

 

(46) A.a.O., Coll. X,7, S. 307. Ergänzung in Klammer von SB.