Der Himmel ist in Dir. So einfach geht Mystik!

 

Jeder Mensch ist auf mystische Gipfelerfahrungen hin angelegt, so der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow (1908-1970). Ohne Gipfelerfahrungen kann niemand ganz gesund werden, denn das eigene Wesen wird unzureichend entfaltet, meint Maslow aufgrund seiner Forschung.

 

 

Maslow, der eigentlich Atheist war, fand heraus: Gipfelerfahrungen stehen jedem Menschen offen, auch mitten im Alltag. „Der Himmel ist überall um uns herum, steht im Prinzip immer zur Verfügung, bereit, für in ein paar Minuten betreten zu werden. Er ist überall – in der Küche, bei der Arbeit oder auf einem Basketballplatz – überall dort, wo Vollkommenheit passieren kann, wo Mittel zum Zweck werden oder wo ein Job richtig gut gemacht wurde. Das Leben allseitiger Verbundenheit ist leichter erreichbar, als jemals erträumt“.

 

 

In seinem Buch „Jeder Mensch ist ein Mystiker“ spricht Maslow vom „Besuch im Himmel“. „Ich liebe die Metapher für das Gipfelerlebnis, dass es ein Besuch in einem persönlich definierten Himmel sei, von dem jemand auf die Erde zurückkehre. … dass er zu jeder Zeit für alle von uns um uns herum existiere, man ihn jederzeit wenigstens für eine kleine Weile betreten könne.“ Wie sieht der Himmel aus?

 

 

Maslow kann ihn aufgrund von Interviews mit zahlreichen Gegenwartsmystikern gut beschreiben. Unter anderem sind das:

 

 

1. Das alltägliche Zeit- und Raumgefühl verliert seine Enge und weitet sich zu einem umfassenderen Dazu gehören. „In dem Gipfelerlebnis findet eine sehr charakteristische Desorientierung hinsichtlich Zeit und Raum statt bis hin zum Verlust des Bewusstseins von Zeit und Raum. Positiv ausgedrückt entspricht das der Erfahrung von Universalität und Ewigkeit.“

 

 

2. Man hadert nicht mehr mit dem Bösen und lässt seine Konflikte hinter sich. „Die Welt, die in Gipfelerlebnissen gesehen wird, ist schön, gut, wünschenswert, wertvoll usw. und wird niemals als böse und ablehnenswert erfahren. Die Welt wird akzeptiert. Die Leute werden sagen, dass sie sie dann verstehen. Am wichtigsten vor allem für den Vergleich mit religiösem Denken ist, dass sie irgendwie mit dem Bösen versöhnt werden. Das Böse selber wird akzeptiert und verstanden und am rechten Platz im Ganzen gesehen, als etwas, das dazugehört, als unvermeidlich, als notwendig und darum als angemessen.“

 

 

3. Erleben der wahren Identität: „In Gipfelerlebnissen gibt es eine Tendenz, näher heranzurücken an eine vollkommene Identität oder Einzigartigkeit oder Besonderheit einer Person oder ihres wirklichen Selbst. Man wird eine wirklichere Person.“

 

 

4. Die Entdeckung der eigenen Stärke führt zu einer liebenden Öffnung für Andere. „Wer Gipfelerlebnisse hat, wird liebender und toleranter, und so wird er spontaner und ehrlicher und unschuldiger.“

 

 

5. Besonders wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und für die Weiterentwicklung sozialer Systeme und deren Weiterentwicklung ist die Entwicklung von „Seins-Werten“ durch mystische Gipfelerfahrungen: Wahrheit, Gutheit, Schönheit, Überwindung von Einseitigkeit, Lebendigkeit, Einzigartigkeit, Perfektion („nichts Überflüssiges, nichts fehlt; alles am richtigen Platz“), Notwendigkeit, Vollständigkeit, Gerechtigkeit, Einfachheit, Reichtum, Mühelosigkeit, spielend sein, Selbstgenügsamkeit. Es handelt sich dabei nicht um Gefühle im Erlebenden, sondern um Strukturen der Wirklichkeit.

 

 

Maslow gilt als einer der ersten transpersonalen Psychologen gilt – also als ein Psychologe, der auch mystische Entwicklungsstufen mit untersucht. Inzwischen arbeitet die Meditationsforschung mit ihren bildgebenden Verfahren wie EEG und MRT weiter daran, mystische Erfahrungen aus dem religiösen Spezialistentum herauszulösen und sie zu demokratisieren. Das heißt, die Forscher erklären in heutiger Sprache, wie Mystik funktioniert und wie jeder solche Erfahrungen machen kann. Unter anderem wird dabei deutlich, dass die Mystiker in der Lage sind, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren, ihre Herzratenvariabilität zu erhöhen und ihre Hirnfrequenzen zu steuern. Der Prof. für Klinische Psychologie Brant Cortright verweist darauf, dass Achtsamkeitsmeditation (wie sie auch beim Jesusgebet praktiziert wird) zum Hirnwachstum führt. „Achtsamkeitsmeditation führt zu einer Vergrößerung des Hippocampus auf seiner gesamten Länge. Gleichzeitig verdicken sich die kortikalen Strukturen in anderen Hirnarealen, insbesondere dem präfontalen Cortex.“ Langzeitmeditierende entwickeln ihr Hirn noch stärker weiter: „Die Zunahme an grauer Substanz im Hippocampus war direkt proportional zur Anzahl von Jahren, die ein Proband mit der regelmäßigen Praxis von Achtsamkeitsmeditation zugebracht hatte. Auch in anderen Hirnarealen, die mit dem Selbstbewusstsein und der Empathie in Verbindung stehen, fand man mehr graue Substanz“, so Cortright. Die Amgydala hingegen, die auf angstmachende und traumatische Stimuli fixiert ist, verkleinert sich. Man wird durch die Umstrukturierung des Gehirns ein anderer, ein glücklicher Mensch.

 

 

Die Mystiker verwendeten lediglich eine alte mythologische Sprache für grundlegende Fähigkeiten, die in jedem Menschen biologisch angelegt sind. Die heutige Meditationsforschung untersucht es, verwissenschaftlicht und demokratisiert es, raus aus Händen von Spezialisten. Künftig, so meine ich, wird die Gesellschaft in ihrem eigenen Interesse dieses Potential in allen Menschen schulen.

 

 

Auf der Basis der alten christlichen Mystik und auf dem wissenschaftlichen Hintergrund der Meditationsforschung schlage ich drei einfache alltagstaugliche Übungen vor, damit jeder „in den Himmel“ kommt – nicht erst mythologisch künftig, sondern hier und jetzt:

 

 

(1) Kopf befreien: Fokussier Dich mitten im Alltag auf den Namen „Jesus Christus“ (oder auf Gottes Nähe wie in „Liebe umgibt mich“). Wiederhole innerlich so oft es geht diesen Namen. Hänge alles, was Dich bedrängt, kurz hinten an diesen Namen. Dein Geist wird dadurch klar, stabil und krisenfest. Die innere Sammlung im Mantra schützt Dich wie Harry Potter vor den Dementoren – vor allem, was Dich verrückt machen will und was Dir eigene Ziele aus dem Blick rückt.

 

 

(2) Herz befreien: Konzentrier dich öfter mal im Alltag auf Dein Herz. Schicke mindestens 30 Sekunden lang das Gefühl hinein, das Du bei Deinem Lieblingshobby empfindest, gern auch ein Gefühl von Liebe. Das verjüngt Dein Herz sogar körperlich und öffnet es mystisch für Gottes Gegenwart.

 

 

(3) Hände befreien: Was ist Dein Lieblingshobby? Erfinde eine Minigeste oder Minihandlung dafür. Führe diese Geste möglichst stündlich durch. Schau tapfer am Scheitern, wer bislang Deinen Willen beherrscht. Halte treu durch. Du bist zum Glücklichsein bestimmt. Deine Geste hält diese Lebensrichtung in Dir wach.