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Die Konvergenz von "Bewusstsein" und "Gott" in ihren Eigenschaften

 

Ich verstehe mit dem evangelischen Theologen und Professor für Klinische Psychologie Renaud van Quekelberghe Gottesnamen als „Grenzbeschreibung des menschlichen Bewusstseins“.[1] Phänomenologisch-deskriptiv fällt auf, dass die Eigenschaften von Bewusstsein mit traditionell religiösen Gottesprädikaten konvergieren. Auch Joseph A. Goguen weist im Artikel „Consciousness Studies“ der Encyclopedia of Science and Religion auf diese Konvergenz hin: „it is ineffable, open, fluid, non-local, temporally thick, and involves qualia and a sense of self. Can it be mere coincidence that similar properties are often attributed to God?”[2]

 

 

Ebenso konstatiert van Quekelberghe: „Der Gottesnamen-Matrix werden über alle Kulturen hinweg Eigenschaften zugesprochen, die vorrangig mit der grenzenlosen Grenze menschlichen Bewusstseins einhergehen.“[3] „Folgende Formulierungen sind (…) weltweit besonders typisch: Grenzenlose Grenze. / Das Bewusstsein sprengt alle Vorstellungen und Denkansätze. / Alles ist in sich grundsätzlich und absolut eins. / Alles erscheint und ist irgendwie unermesslich, unendlich. / Die Potentialität oder Virtualität sprengt und übersteigt jegliche Wirklichkeitsvorstellung.“[4] „Die beliebten Prädikatsnamen Gottes oder des Bewusstseins sind einander praktisch äquivalent. Sie beinhalten stets Folgendes: Absolut grenzenlos, ohne Anfang und Ende, unendlich / absolut vollkommen / absolut eins / absolut liebevoll, / absolut makellos / absolut wirklich / absolut wahr / absolut alles in allem“.[5]

 

 

Van Quekelberghe spricht angesichts dieser gemeinsamen Prädikatreihen – für das menschliche Bewusstsein und für „Gott“ – von einer „grenzenlosen Grenze“, vergleichbar mit einem „grenzenlosen Himmel oder Ozean“. Es ist seiner Meinung nach verfehlt, willkürlich einen Ursprungs- oder Endpunkt zu setzen. Es handle sich „nicht um einen Ursprungs- oder Endpunkt und auch nicht um eine Schallmauer. Die Bewusstseinsgrenze erscheint eher wie ein grenzenloser Himmel oder Ozean. Eine solche Unendlichkeit erweist sich als dermaßen vollkommen eins und unteilbar, dass ihre psychologische Beschreibung am ehesten durch die meditative Stilllegung aller diskursiven Gedanken sowie ihrer begleitenden Stimmungen und Gefühlsreaktionen wiedergegeben werden könnte.“[6]

 

 

In dieser „grenzenlosen Grenze“ konvergieren auch schließlich die Gegensätze – was klassisch mit reiner Potentialität oder auch „Leere“ bezeichnet wird. „Die Grenzen des menschlichen Bewusstseins kommen äußerst nah an die absolute Potentialität oder Virtualität und damit an die absolute Leere heran, sozusagen an den dem Bewusstsein eigenen Attraktor.“ Es kontrahiert „auf seine eigene Betrachtungsgrenze, sein Limit, immer mehr und endlos“.[7]

 



[1] Vgl. Renaud van Quekelberghe, Transpersonale Psychologie und Psychotherapie. Grenzenlose Grenze des Bewusstseins, Eschborn 2005, 94ff.

[2] Joseph A. Goguen, Art. Consciousness Studies, in: Encyclopedia of Science and Religion, 2003, www.encyclopedia.com/education/encyclopedia-almanacs-transcripts-and-maps/consciousness-studies.

[3] Renaud van Quekelberghe, Transpersonale Psychologie und Psychotherapie, Eschborn2005, 96.

[4] A.a.O., 98.

[5] A.a.O., 99.

[6] A.a.O., 96. „Dies impliziert den Rückzug aus den Sinnesempfindungen, aus allen sinnlichen und intellektuellen Vorstellungen sowie von allen Dingen aus dieser vergänglichen Welt.“ (100)

[7] A.a.O., 99.