· 

Mystiker contra ROBOTER

"Mönch" kommt von "monachos". Darin steckt das Wort "monos". Wir kennen es vielleicht von "Monade", "Monarch".

 

Der Mystiker, die Mystikerin geht so ähnlich wie Robinson Crusoe das große Abenteuer der Reise nach Innen an.

 

Mal kürzer oder länger oder immer mal wieder nachschauen, ob IN uns noch jemand lebt.

Oder ob wir einfach nur roboterhaft funktionieren - so wie man uns einst wollte und dafür lobte (Anerkennung, Geliebtsein - und ggf. auch dafür tadelte wenn wir zu sehr wir selbst waren).

 

Während diese Kultur sehr viel Wert darauf legt, die äußere Welt zu vermessen, zu kartografieren und bis zum Mond oder sonstwohin Sonden zu senden, ist unsere Innenwelt zunehmend versteppt, verwahrlost, zur Terra Incognita geworden.

 

Ich liebe diesen Loriot-Sketch außerordentlich. Denn hier treffen oder prallen Roboter und Mystiker live aufeinander.

 

Wer die Bibel kennt: Das ist einfach neudeutsch die Story, die über "Martha und Maria" erzählt  wird. Martha erfüllt brillant ihre Rolle als Hausfrau. Während Maria sich hinsetzt, um die Wahrheiten des Lebens zu ergründen und mit Jesus - dem Hausgast - in die Welt der Mystik eintauchen will. Welch Sauerei aus der Sicht der ernsten, hart arbeitenden Roboter, dass Jesus ausgerechnet Maria auf dem richtigen Wege sieht! :-D

 

Ihr werdet merken, mit Wilhelm Busch gesprochen: "Es kann der Frömmste (Mystiker) nicht in Frieden leben, wenn der böse Nachbar (Rotober) es nicht will."

Wilhelm Busch war etwas pessimistisch. Klar geht das. Aber MystikerIn unter RoboterInnen zu sein, ist anfangs hartes Brot.

 

Das Wichtigste für den Einstieg in die gemütliche Koexistenz mit Robotern um Euch her ist: Erkennt den ROBOTER IN EUCH SELBST!

Dann jagen Euch die Roboter im Außen nicht mehr aus Eurem Seelenfrieden (habitare secum, in sich zuhause sein) hoch!

 

Der Roboter in Euch selbst sagt meist Sätze wie: "Ich MUSS", "Ich SOLLTE".

Er ist eine LOB-TADEL-MASCHINE. Er verteilt ständig Schulnoten ("gut" - "böse", "richtig" - "falsch").  Er suggieriert Euch idiotische Lebensziele wie: "Wenn ich RICHTIG und GUT bin, DANN werde ich glücklich sein."

 

Dabei ist genau das Gegenteil der Fall - aus Sicht der MystikerInnen: Erst wenn DU es wagst, DU zu SEIN und DICH authentisch zu zeigen, wirst Du einen tiefen Frieden erfahren.

 

Denn dann spielst Du nicht mehr die Rollenspiele der Zerrissenheit. Dann lebst Du nicht mehr mit Deinen verschiedenen Rollen im Dauerkonflikt.

 

Der Roboter in Dir ist der geborene Theaterkritiker des Lebens. Dummerweise ist er kaum in der Lage, selbst ein gutes Stück zu schreiben bzw. ein für sich selbst glückliches Leben zu leben.

 

Der Roboter ist die Gestalt, zu der Dich die Gesellschaft gemacht hat.Mit den alten Worten der Frauenbewegung der wilden 80er Jahre: "Man wird nicht als Roboter geboren. Man wird zum Roboter gemacht."

 

Der Mystiker nimmt das Persönliche Polititisch. Er studiert in sich exemplarisch, wie er zum Roboter gemacht wurde. (Niemand wird als Roboter geboren. Du wirst dazu gemacht.) Dadurch kriegt der die Programme heruntergefahren.

 

Die größte Befreiung der Menschen ist nicht die Befreiung aus Sklavenketten. Es ist die Befreiung von einem Roboterhirn und einem zerrissenen Herzen.

 

Wenn Du wieder Deine eigene Lebendigkeit spürst und das Glück und den Stolz, ein freier Mensch zu sein, dann hast Du auch die Kraft und die Techniken, Deine äußeren Ketten abzustreifen.

 

"Roboter" kommt, soweit mich mein Schulrussisch aus DDR-Land nicht täuscht, von "rabotatch" - "arbeiten". Er ist eine Arbeitsmaschine. Er ist die Maschinengestalt des Menschen. Er ist der Typos, den die Fabrikanten brauchen, um ihre nonstop laufenden Maschinen auszulasten.

 

Meine Antrittsvorlesung in Kiel im Jahre 2001 hielt ich über: "Theologie im Zeitalter der Posthumanität". Es hatten sich schon damals Philosophen wie Paul Virilio mit der zunehmenden Maschinisierung des Menschen beschäftigt. Eine äußerliche Verchippung bis hin zu Implantat-Chips geht mit einem formalisierten Denken einher, um den Menschen an die Roboterwelt anzupassen.

 

Der Roboter-Mensch (der Post-Mensch) ist der Typ des Menschen, der vorhersehbar und steuerbar geworden ist.

Die wichtigste Programmierung läuft über "Lob" (Anerkennung, verdiente Liebe - verdiente Liebe ist keine Liebe mehr!!!) einerseits und "Tadel" (Aberkennung, Entwertung, Kritik, miese Note geben - entzogene Liebe - sie war niemals Liebe sondern an Bedingungen geknüpft!) ab.

 

Wenn Du diese Programmierung in Dir aufspürst, wirst Du ein freier Mensch werden.

Mönche - und meine Mystis bis heute - arbeiten zu ihrer Deprogrammierung, indem sie ihr Hirn hochtakten (Mantra bzw. "Jesusgebet" möglichst nonstop als Hintergrund-Ebene im Alltag) und selbst ihre Gefühle steuern lernen.

 

Man entdeckt von einer höheren Ebene aus, dass die bisherige "erwachsene Persönlichkeit" großteils ein Sammelsurium aus Roboterhaften Versatzstücken war.

 

Die gegenwärtige Gesellschaft legt großen Wert - angeblich funktioniert sie sonst schlecht - auf Menschen, die verschiedene "ROLLEN" spielen. Hier bist Du guter Vater, dort konkurrierender Manager, dann wieder lockerer  smarter ewig fitter Freizeit-Kumpel, und zusätzlich nochmal locker ein vom Fernseher mit Katastrophenszenarien und Rettungsaufforderungen gefütterter Retter der Welt von Krebs, gegen Nazis und für ein buntes Deutschland und sammelst Klimapunkte.

 

Das ist der Roboter.

 

Wie wirst Du Mystiker?

Frag Dich einfach: Was von dem im Leben, was Du machst, fühlt sich SPIELERISCH, LEICHT, WEIT an?

 

Und was in Deinem Leben fühlt sich SCHWER, HART, ENG an?

 

Die Frage  beantworte nicht vom Kopf her. Der Kopf ist Dein mit Viren und Trojanern gespickter Bereich. Hier lagern wie Kalksedimente alle Exe-Dateien der Kulturprogramme - alle externen Wünsche der Nutznießer Deiner Lebenszeit. Du hast sie - mehr oder weniger freiwillig - mit Deinem Leben - naja "bezahlt"? - oder sagen wir netter: "bedient".

 

Die Frage beantworte bitte von Deinem Gespür her. Dein Gespür ist selten in der Schule oder Uni befragt worden. Und auch auf Arbeit - jedenfalls in Kopfberufen oder technischen Berufen eher selten.

Dein Gespür ist Deine Lebendigkeit. Es sind Energien in Deinem Körper, in Deinem Herzen. Es ist das, was Jesus "wie die Kinder sein" nennt.

Das wird wieder lebendig, wenn Du bei allen Entscheidungen und Rollen in Deinem Leben fragst:

Fühlt sich das spielerisch, leicht, weit an?

Oder fühlt es sich schwer, hart, eng an?

 

Der Roboter-Weg ist in religiöser Sprache "Hölle". Sagen wir netter: "Gulag", Arbeitslager. Sklave fürs System sein.

Der Mystische Weg ist  "Himmel". Das ist Deine Natur, Dein Potenzial dass DU einfach DU wirst. "Ohne Warum" - "sunda warumb" meinte Meister Eckhart. "Die Rose ist  die Rose".

Und Du bist Du - egal ob Du der nützliche Idiot für andere bist oder von Ihnen als "unnütz" getadelt wirst.

Mach Dir keinen Schädel. Sie sind Roboter.

 

Dein Ding ist: Werde DU DU - sitz einfach, wenn Du sitzen willst und wo Du sitzen willst und wie Du sitzen willst.

 

Auch wenn andere Dir "nur helfen" wollen, damit Du AUS IHRER SICHT "etwas Besseres" aus Dir machst.

"Besser" meint aus ihrer Sicht immer "Roboter", damit Du "Erfolg" hast im Bereich der Roboterwerte.

Dummerweise kennen Roboter die eigentlichen Lebenswerte, die überhaupt unser Leben lebenswert machen, gar nicht:

 

Spielerisch und mit Leichtigkeit leben, glücklich sein, mit allem verbunden sein, bedingungslose Liebe die nicht urteilt, Lebendigkeit und Spontaneität, Wahrheit (statt angepasst Rollen spielen: ein Fake-Leben für Fake-Freunde spielen, damit sie beeindruckt sind und einen mögen...), Zusamenfallen von Gegensätzen (statt: entweder oder; mystisch leben mit: sowohl-als-auch; alles ist so wie es scheint und nichts ist so wie es scheint...)

 

Jesus: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber am Ende seine Seele verloren hat."

 

Das ist die Mystiker-Message für seelenlose Roboter. Für typische "erfolgreichen" Funktionäre gegen das Ausbrennen. Immer bereit, willfähriger Vollstrecker zu sein - also "seine Rolle bestens zu erfüllen" - egal was man ihm als Corporate Identity Ziel vor die Nase setzt?

Ein Leben als Stöckchen-Apportieren.

 

Ich wünsche Dir ein Leben, das Tag für Tag damit beginnt, dass Du Dir wieder fröhlich in die Augen schauen kannst. Und dass die Leichtigkeit des Seins wieder in Dein Leben einzieht.