• Sabine Bobert

Theopoesie als Weg zu mystischer Erfahrung?


Frage S:


Liebe Sabine,

eine Frage, zu der ich sonst bei den Theologen bei uns, die ich bisher im Studium hatte, keine Anknüpfung sehe:

Unter welchen Begriffen suche ich in der Forschung zu Literatur als mystische/religiöse Erfahrung? Ich meine damit (wahrscheinlich) nicht Theopoesie. Denn soweit ich das beim Querlesen sehe, geht es dabei um religiöse Literatur. Das meine ich aber nicht. Ich meine die einfache These, dass der Mensch beim Lesen von Literatur (also nicht die platteste, aber eben auch weltlich, z.B. Kafka, Goethe…) sich und damit das Menschsein erkennt in einer Tiefe, die kleinen „Erleuchtungen“ gleicht – also keine rein rationalen Erkenntnisse. Es geht mir nicht um Bibliotherapie oder so was, das ist wieder was anderes.

Dorothee Sölle hat etwas zu Theopoesie gemacht, aber das ist Zufall, dass ich das jetzt gesehen habe, weil ich gerade anfange, ihre Sachen zu lesen.

In gewisser Weise ist damit auch das Thema Schreiben und Spiritualität verbunden. Z.B. im Alten Ägypten kam den Schreibern ja eine sehr besondere Stellung zu. Das Schreiben wurde als etwas „Göttliches“ gesehen.

Falls Du dazu irgendwelche Gedanken, Anregungen oder Recherchehinweise hast – sehr willkommen.

LG S.



Antwort Sabine:


Liebe S.,


Mein eigener Weg, der dem nahe kommen könnte, verlief über das Lesen antiker Philosophie.

FAKTISCH sind Platons Gleichnisse und die Vergleiche bei Aristoteles ja auch Poesie.

Und auch die Bibelauslegung bei Origenes arbeitet mit Vergleichen und Bildern.

Also das Begriffsdenken setzte ja erst in der Scholastik zunehmend ein, nachdem Thomas von Aquin die Kategorienlehre des Aristoteles auf die Theologie übertragen hatte.

Ich selbst hab in meinem blauen Buch "Jesusgebet und neue Mystik" dazu geforscht und geschrieben. Meine Kurzzusammenfassung befindet sich dort unter der Überschrift "Monastische und Scholastische Theologie".


Herzliche Grüße

Sabine

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