Autotelie – die radikalste Form der Freiheit
- sabinebobert
- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
(Aus meinem Buch über Autotelie bzw. den spielerischen Menschen. Erscheint 2026)
Freiheit wird oft als Wahl verstanden oder als Selbstverwirklichung oder Autonomie. Autotelie (vom griechischen autos telos – in sich das Ziel haben) geht tiefer. Sie ist Freiheit vor der Wahl, vor dem Ziel, vor der Rechtfertigung.
Leben als Mittel
Unter Gewalt wird Leben zum Mittel. Man lebt um zu vermeiden, um zu sichern oder um zu überstehen. Diese Zweckhaftigkeit bleibt oft erhalten, lange nachdem Gewalt endet. Man lebt weiter funktional und fragt: Wozu das? Wohin führt das? Autotelie setzt hier an, nicht als spirituelle Technik sondern als Unterbrechung.
Zweckfreiheit als Zumutung
Autotelisches Tun dient nichts. Es ist weder sinnvoll noch hilfreich. Es ist auch nicht entwicklungsfördernd. Darum wirkt es verdächtig. Ein Leben das nichts will gilt schnell als sinnlos oder leer. Doch seine Leere ist kein Mangel. Sie ist das Ende der Instrumentalisierung.
Spiel ohne Zuschauer
Autotelie zeigt sich zuerst im Spiel. Nicht im pädagogisierten Spiel, das wieder etwas will, sondern im zweckfreien Vollzug. (Genau hierzu dient die zweckfreie Willensübung von „Mystik und Coaching“ - als Selbsterinnerung an Leben als zweckfreies Tun.) Man tut etwas und fragt nicht warum. Sobald jemand zusieht, verliert es seine Freiheit. Autotelie braucht keine Bühne. Sie geschieht dort wo nichts erwartet wird.
Zeit im Vollzug
In autotelischen Momenten verändert sich Zeit. Sie wird weder langsamer noch schneller. Sie verliert ihre Richtung. Der Moment trägt sich selbst. Das ist radikal weil es jede Fortschrittslogik unterläuft.
Autotelie als Widerstand
Autotelie ist kein Luxus. Sie ist Widerstand: gegen Verwertungslogik, Heilungszwang, Entwicklungsnarrative. Sie sagt: Mein Leben ist kein Projekt. Genau darin liegt ihre Freiheit.
Die leise Revolution
Autotelie setzt nicht auf Revolution. Sie erklärt nichts und überzeugt niemanden. Sie entzieht sich. Dadurch verändert sie mehr als jedes Programm. Denn ein Leben, das sich selbst genügt, kann nicht mehr gezwungen werden.

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