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Warum Befreiungsbewegungen fast immer kippen


Befreit werden vom überfüllten Innenraum


Fast alle Befreiungsbewegungen beginnen mit einer richtigen Wahrnehmung: Sie erkennen, wie überfüllt der menschliche Innenraum ist. Er quillt über vor fremden Erwarungen, verinnerlichten Autoritäten, steckt voller Schuld, Angst und Zukunftsplänen. Selten nur lebt ein Mensch aus sich selbst heraus.


Wenn echte Befreier diesen Innenraum entrümpeln, entstehen Weite, Wahrnehmung der Gegenwart, und Klarheit stellt sich sein. Menschen erleben: „Ich bin wieder da.“

Doch genau mit diesem Erleben entsteht ein neues Problem. Denn diese Weite und Leere sind für soziale Systeme kein erwünschtes Ziel. Weite und Präsenz sind nicht steuerbar. Und auch nicht produktiv, loyal und bindend. (Dies gilt ebenso für Gurus.)



Sie halten die unterbestimmte Weite nicht aus


Deshalb kippen Befreiungsbewegungen fast immer. Sie halten die Leere nicht aus und nicht länger offen. Der Zustand der Leere wird – wieder institutionalisiert. Institutionalisierung wiederum erfordert Inhalte und Begrifflichkeit, neue Ziele, neue Normen und nicht zuletzt: neue Hierarchien.


So wird der weite Innenraum erneut besetzt.



Befreiung lässt sich nicht konservieren, nur leben


Was läuft hier falsch? Der Fehler liegt nicht im Wunsch, die weite klare Leere festzuhalten, sondern im Weg, diese zu konservieren. Befreiung muss nicht festgehalten oder verstetigt werden. Sie muss im geduldigen Bleiben und Verkörpern Schritt für Schritt in einen lebbaren Alltag übersetzt werden, der sich wieder größeren Rhythmen anvertraut als eine Instutition sie je bereitstellen kann. Doch das ist Thema für einen anderen Essay: „Inkarnation“ von Befreiung.



Stillstand mit neuer Füllung


Bewegungen, die Menschen das Risiko des Lebens abnehmen wollen, müssen Leben konservieren. Stabilierung erfolgt durch Füllen. Der Innenraum wird dafür ebenso dicht besetzt wie zuvor. Darum enden die Bewegungen – im Stillstand. Und so wird ein Stillstand gegen einen neuen eingetauscht.


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