Leben ohne Erlösungsfigur. Wenn Gegner und der Kampf sterben
- sabinebobert
- 3. Feb.
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Feb.
(aus meinem Buchprojekt: Posttraumatisch leben)
Der erlösende Gegner
Erlösungsfiguren sind selten so beschaffen wie man sie sich klischeehaft ausmalt. Sie kommen im Alltag nur selten als Guru, göttlich oder mit Heilsversprechen daher. Oft treten sie als Gegner auf. Damit meine ich jemanden, gegen den man lebt.
Die unsichtbare Bindung
Man glaubt von sich, man habe sich längst befreit, sei es von der Mutter, Systemen, Ideologien oder einem Täter. Erst viel später wird klar: Ich habe nur die Bindungsform gewechselt. Das Gegen bleibt ein starkes Band. Es liefert Richtung, setzt Energie frei und schafft Identität. Solange es ein Gegen-Gegenüber gibt, weiß man wer man ist.
Der Tod der Erlösungsfigur
Wenn eine Erlösungsfigur stirbt – die Mutter, die Ordnung, der Täter als Gegner – dann stirbt nicht nur eine Beziehung. Es bricht eine Lebensarchitektur zusammen. Man muss die Figur – Gegner oder Täter – nicht geliebt haben. Es genügt, dass man sich an ihm bzw. gegen ihn ausgerichtet hatte. Der Schmerz des Verlustes stammt dann nicht aus Trauer sondern aus Orientierungslosigkeit: Wofür lebe ich, wenn niemand mehr da ist, dem ich entkommen, widerstehen oder beweisen muss?
Warum viele dann lieber in Gewalt bleiben
Nach dem Wegfall einer Erlösungsfigur (das meint auch eines Gegners) suchen viele Menschen instinktiv Ersatz. Ein narzisstischer Partner, ein zerstörerisches System, ein tiefer Konflikt geben etwas Vertrautes zurück: Spannung, Richtung, Notwendigkeit. In alter Überlebenslogik spürt man: Solange man kämpft, ist man noch jemand. Das ist ein uraltes Muster.
Der Kampf als letzter Halt
Der Kampf ist oft die letzte Erlösungsfigur. Es geht dabei nicht um Sieg oder Versöhnung. Es geht um das Dagegensein selbst. Auch Hass gibt Halt. Er muss nicht in Handlungen Gestalt gewinnen. Oft reicht seine Energie. Sie hält wach und bewegt wenn alles andere still geworden ist. Sie hält den Körper aufrecht wenn nichts mehr ruft.
Der Moment in dem der Kampf stirbt
Irgendwann, selten planbar und herstellbar, wird selbst der Kampf müde. Nicht aus Reife oder Einsicht. Er weicht einem neuen Zustand, für den es kaum Worte gibt: ohne neuen ´Gott´, ohne Gegner, ohne neue Ideale, Systeme oder Gegen-Systeme.
Das Kämpfen weicht der Anwesenheit. Das meint keinen Frieden. Es enthält keinen Sinn. Es ist ein strukturloses Nicht-mehr-Getragensein von dem was war.
Warum dieser Zustand so beängstigend ist
Erlösungsfiguren, auch negative, nehmen einem die schwerste Aufgabe ab (und ich spreche von Erlösung in dieser Richtung): selbst da zu sein ohne Begründung.
Ohne Mission, ohne Opferrolle und auch ohne Befreiungskampf. Wenn all diese Strukturen wegfallen, fällt man nicht (endlos oder um). Man steht plötzlich ungestützt. Das fühlt sich leer an – aber auch unheimlich (im Sinne von noch nicht heimisch) echt.
Leben ohne Erlösungsfigur
Ein Leben ohne bisherige und neue Erlösungsfiguren (vom selbst da sein ohne Begründung) folgt keiner Dramaturgie mehr. Es kennt keinen Höhepunkt auf den alles zuläuft. Es stützt sich auf keine Rechtfertigung und liefert keinen Beweiswert ab. Selten wirkt es exemplarisch (heilig), vorzeigbar oder erzählbar. Es veranschaulicht keine reife Ernte nach langen Therapien und lässt sich schwer für politische Lager vereinnahmen. Es ist unspektakulär statt sensationell. Und genau das macht es so schwer zu ertragen.
Kein neues Ideal
Entscheidend ist: Dieser Zustand nach dem Zusammenbruch tragender Strukturen (Erlösungsfiguren, Gegner) verlangt kein neues Ideal. Er steht nicht für: mehr Selbstliebe, umfassende Heilung, politische Freiheit, markige Authentizität. All das wären neue Erlösungsfiguren.
Was bleibt ist etwas Kleineres: Körper im Raum; Zeit die vergeht; Handlungen ohne Rechtfertigung; Beziehungen ohne Mission. Der neue Zustand ist nicht schön, nicht hässlich, einfach da.
Ein Leben ohne Erlösungsfigur ist kein ideales, vorbildliches Leben. Es ist ein nicht mehr benutztes Leben. Vielleicht ist genau das nach dem Erkennen der Gewalt von Systemen, nach Bindung an Gegner, nach jahrelangem Sich-Beweisen die erste Form von Würde, die niemand mehr nehmen kann.
Co-Text
von der "Waldmystikerin", direkt aus dem Handy übernommen
und zu dem hier ...der text
sensationell wie Du das beschreiben kannst ..genau das meint ich und kenn ich ...wenn ich sagte: dieser riss im kopf wo man plötzlich dasteht im nichts und merkt dass alles was man gedacht geglaubt hat agiert hat ..bedeutungslos ist
ich hab es genannt: alles was man von sich denkt ist man nicht
oder der abgrund zwischen ich und mir
diese plötzliche kluft vom ich zum mir
dieser leere unbeschriebene raum dazwischen wenn kampf gegner etc. einen nicht mehr spüren lassen dass man da ist ...dieser nullpunkt zustand
wo das alte nicht mehr trägt wenn es auch noch so unangenehm war ..und dennoch identität schaffte ..notfalls durch reibung merken dass man da ist ...
vom selbst dasein ohne begründung hast Du es so schön genannt
wie ein kultur garten der komplett entkernt wird und abgetragen und wo noch kein eigener wildbewuchs ist ...
diese leere nicht mehr gewesenes und noch nicht gewordenes ...dieser spalt dieser riss im kopf ...
mit dem alles neu wird ..aber erstmal haltlos ungewohnt ..erst denkt man man löst sich auf ..oder ist kaputtgegangen ..dann ist man nur noch dasein ohne begründung ja
atmen schauen dasein ohne begründung
das ist der moment wo die rehe keine angst mehr vor einem haben ...weil man nicht mehr träumt ..weil man dasein ist wo man ist ist man wie naturereigniss ..fühlt sich an wie auf trip
als hätte man was verloren was man nie war von dem man dachte dass man es sei
die spiele kollabieren sie funktionieren nicht mehr mit einem
man wird erst wie schwerelos ...nicht mehr verbissen in die kulturelle persöhnlichkeit .. aber wer ist man dann
der wiederstand fällt weg ..wo sind die wände ..hält das dasein ..das blosse ..
fällt man ...?
kommt ein fallschirm .?..schwebt man schlägt man auf ?
der unbenannte raum in sich
ist in etwas ist es nichts ?
ist es etwas in was ?
im wortlosen unbebuchstabten
unerklärbaren
kein greifen mehr nach ungreifbaren
jetzt ist man eine selbstverständlichkeit der schöpfung wie der baum ..
nur nicht so stabil noch ohne übung ..
nicht fliegend nicht fallend nicht stürzend nicht stehend ..nicht haltlos nicht unhaltlos
eine pure erfahrung bloss
was kleidet einen ?
in was ?
wie der moment zwischen ein und ausatmen ...innehalten
dann holt sich das leben einen
es träufelt sich ein ...ganz unspektakulär
ja die erste form der würde die niemand mehr nehmen kann
die keinen beifall braucht
keine rechtfertigung mehr
dasein im noch unbewohnten ungewohnten
von da ab sieht das leben der anderen auch seltsam aus ..die so am ich klammern das sie in der tiefe nicht sind ..
die die kluft fürchten oder nicht mal davon wissen ahnen ...oder noch nicht wissen dass alles was sie von sich denken sie nicht sind ...
dass sie sind was nie ahnten ..das dasein ohne bezugsspiele und bedingungen
faszinierend leer ...raum der man immer war ..und der einem nicht bewusst war ..naturphänomen
wie wind und sonne man "macht" nicht mehr leben ...sondern leben zieht ein ...
man atmet es ein ...es kommt nicht mit feuerwerk und getöse
es ist still klar bischen gruselig am anfang ..
man ist plötzlich mehr als eine antrainierte identifizierung ..aber das mehr fühlt sich erst seltsam leer an ...
garnicht wie man sich "mehr" vorgestellt hat ...
man kann sich rückwärts zusehen wie man sich verbissen hatte in vorgeworfene knochen ...um irgendwie form zu haben wenn keine besseren angebote kamen ..
dann lässt man den knochen los und glaubt auch die form zu verlieren ...
doch die bleibt aber erst wie unfühlbar ...
man dachte doch schon man sei
ein ich ...ein in ein selbstich reingeschockt und in dem verharrt ..
kämpfend leidend überlebend halt im haltlosen greifen in scharfe klingen besser als garkein halt
dann fällt es ab
bin ich noch da ?
dann segelt man in der kluft zwischen ich und mir ja ins selbstdasein ohne begründung
ein weisses blatt papier
unbeschrieben
ein leerer raum
eine art membrane das dasein ist da ..noch ganz leer
jetzt nur bleiben
im ungewohnten noch fühlt es sich nicht heimisch an ..seltsam leer
wie ohne boden
dann kommt es von selbst ins selbst durch dasein
wie wellen das meer bewegen ...man muss ein bischen stillhalten um leise zu bemerken das nicht wir bewegen sondern bewegt werden aus dem inneren ...wie soll ich sagen
wir sollen immer soviel tun ..gestalten, uns verengen, das leben gestalten
jetzt gestaltet es einen ...bewegt einen ..man hat noch garnicht gute sinne dafür ...die panik wenn man nichts täte würde man untergehen aufgehen sich auflösen ..
aber doch es trägt und bewegt etwas das garnicht stabil aussieht ...nicht wie gewohnt
aber zum darin wohnen ...obwohl es wie luft aussieht ..es kommt zu uns
man muss es garnicht holen
nur warten bis es einen erreicht oder man es wahrnehmen kann ...
nur bei einem muss ich wiedersprechen ...
das es nicht spektakulär sei ...
es ist nicht herrkömmlich spektakulär ...
aber wenn man nachts unter dem sternenhimmel steht ..als dasein
es ist so spektakulär wie dass die sterne am himmel bleiben ..
sowie sie leuchten ...
es ist vieleicht nicht für die zivilisierte menschenweltt spektakulär ...
aber für die wirkliche daseins welt
wenn man in diesem scheinbar leeren raum auf der wiese liegt und in die sterne schaut ...und so ungewohnt genauso ist wie sie ...selbstbelebt vom gleichen und doch ein selbst
eine daseinserfahrung ...
das ist wird dieses megafeeling das nicht will nichts fordert nichts erzieht das in etwas sein und doch ein eigensein das in vielen formen farben bewegungen in allem ist und in einem selbst ...
soviel bauscht die kultur auf ...das es sich erst so leer und abgerissen anfühlt
wenn man wieder wildes im wilden ist ..bewegung in bewegungen
atem im wind schauen sein
im echten
wie die wildtiere die kennen den zustand auch
der grosse geist wie die indianer sagen
das hat viel mehr mit lassen als mit tun zu tun ..
der sturz aus der identifikation mit dem irrsinn um sich nicht verloren zu gehen einst ...
die kippkante wo man sich verlässt hinauszentrifugiert wird ...vom teller rutscht ..über die kluft um beim mir zu landen ..
es ist so crazy und fühlt sich manchmal gruselig an ..es ist ein stück hinaus über die eskalation des leides ..
man kann so in der identifizierung stecken bleiben während man aus ihr herausfällt ..während man aus den kulturspielen rutscht ...dass man mit dem tod der identifizierung tot geht ...oder in dieses leere ...dieses nichts fällt ..ins echte selbstdasein ohne begründung ja schön gesagt ..
wie elli gibts doch nicht echt auf der strasse zu erfrieren ...am letzten rand noch festhalten aus angst vor der kluft der leere ... zwischen dem ich und dem mir dem begründungslosen selbst dasein ..
die kultur ist darauf aufgebaut ... sich so zu verbeissen in dieses von sich entfernte als ich als gäbe es nicht mehr das die leute sogar mit dem körper sterben in dem traum ...dem grauenhaften ...
das ganze spiel ist so aufgebaut ..durch schocken und beängstigen in etwas eingesperrt zu werden was wir ich und weltanschaung und glauben nennen ...und in diesem dann unterzugehen
stell Dir mal vor wie verrückt das ist ...das wir so doll an diese massenpsychose derer wir teil werden verhaftet werden ...das wir darin sogar sterben können als gäbe es nichts ausserhalb des käfigs ...
wie elli allein auf der strasse erfrieren wie ein strassenhund .. wenn man so tief verkeilt im gezimmerten käfig der in den kopf implaniert wurde ihn für die einzig mögliche realität sieht ...
es hätte tausend türen gegeben ..mit raum wärme bereitschaft und möglichkeiten ...wenn man keine möglichkeit mehr sehen kann dann wird man durch den tod aus dem spiel geholt ...
die sperrren uns in köpfe ein ...in quadrate ...begrenzen die welt mit künstlichen zäunen ...töten die sinne ab die die grenzenlose weite ertasten können ...
ein unsichtbares gefängnis im gemüt plaziert ...in der illusion was sei ...
und das ganze schöne natürliche dasein
ausgesperrt ...aus unserem erreichbaren blick ....
der plan ist, das wir es hier schwer haben und uns in ihren miesen spielen unendlich verirren und eine inkarnation nach der anderen abspulen ..können die knicken ...
ein paar durchbrechen die künstlichen zäune ...die eingeredeten und eingeschockten ...
ein paar kommen zum leben und das leben zu ihnen ...tut erst richtig weh und der aufwachschock auch ....und wie man sich dann ausrichten soll auch ...
aber die wirklichen sinne wachsen wieder
lieber in der leere als im scheinhaften grausigen getümmel ...der lügenkäfigmatrix
Du kommst zum leben und das leben zu Dir ... wie Du da durchstapft ..bewundernswert ...
niemals aufhalten lassen ...niemals ihren dreckskäfig glauben und die ganze geschäftigkeit ...
das tut sehr weh ..und es gibt keine karten und kein gps
aber der schmerz wird warmes feuer ...
und die unbegrenzte leere warmer wohnort ...
das schöne und wahre ist am anfang so flüsterleise ..fast unhörbar wie landschaft im schnee ...gedämpft...
in einem iglu ist wärme
in uns ist lichtglut leben
unbegründetes selbstdasein im dasein
etwas bleibendes und es hält immer besser ...und ist unabringbar .
ja die erste form der würde, die niemand mehr nehmen kann ...
und ein tor in die unendliche wirklichkeit ...und dieses grosse unsagbare ..dieses wunder des selbstdaseins ...
das nicht in eine kunstwelt entführt, in sich und dem wahnsinn kreist
eine spirale ist die natürliche form und wellen... there is a way out and the way is the way into
beeing in live .. to be alive
allways ever and in all dimension
herzlich mit allerbesten wünschen🌼🌟🌸

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