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Leitbilder vs. Entlastungsbilder. Vom spielerischen Menschen


Unsere Kultur ist reich an Leitbildern. Medien zeigen Magier wie Harry Potter, Helden, Bühnenstars, Rebellen, Visionäre. Was dabei mangelt sind Menschen, die einfach so leben. Allen dominanten Leitbildern ist eines gemeinsam: Sie stellen die Frage nach Ruf, Mission, Bewährung. Sie verteilen Aufgaben. Selbst ein faktisches Anderssein muss dann gestaltet werden.


Leitbilder wecken nicht nur Phantasien. Sie strukturieren Lebenszeit. Nimmt man ihre Aufgabe an, dann füllen sie unsere Zeit mit Erwartungen. Unser Leben wird zu etwas, das auf die Erfüllung zuläuft.


Der spielerische Mensch jedoch lebt nicht auf etwas hin. Er ist bereits angekommen. Er lebt in einer Zeit, die keine Rechenschaft verlangt. Er findet Freude an Wiederholungen ohne Fortschritt. Er blüht auf in Tätigkeiten ohne Zweck.


Diese Lebensformen, ich nenne sie in meinem Buch über den spielerischen Menschen ´autoteletisch´, sind kulturell kaum sichtbar. Sie eignen sich schlecht zur Heldenpose. Sie verteilen auch keine Aufgaben. Da sie keine großen Stories liefern, binden sie kaum Aufmerksamkeit und bleiben frei von Spannung.


Aufgrund der Heldenstories erscheint uns Freiheit heute als Wahl und weniger als Aufenthalt in einem Ort, der uns spielen (autoteletisch leben) lässt. Wir brauchen keine neuen Helden sondern Entlastungsbilder von Menschen, die uns zeigen: Du musst nicht gerufen sein um da sein zu dürfen.

 
 
 

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