Nicht gemeint sein – oder: Warum Rechtfertigung heute nicht trägt
- sabinebobert
- 26. Dez. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Es gibt eine Müdigkeit, die nicht von Schuld kommt. Sie kommt auch nicht von falschen Entscheidungen oder verpassten Chancen. Sie entspringt etwas Leiserem: dem Gefühl, sich ständig erklären zu müssen. Nicht vor anderen. Vor sich selbst.
Der neue Gerichtsort: Selbstreflexion
Viele Menschen leben, als müssten sie beweisen dass sie zurecht da sind. Sie nennen es Verantwortung. Oder Selbstreflexion. Oder Reife. Aber es ist etwas anderes. Es ist das Gefühl, nur unter Bedingung zu existieren.
Rechtfertigungsbotschaften erreichen diese Menschen nicht. Nicht weil sie diese ablehnten. Sondern weil sie sie nicht hören können. Denn wer sich seines Seins schämt, kann mit Freispruch nichts anfangen. Er hört darin keinen Trost sondern nur eine neue Forderung: Fühl dich jetzt entlastet!
Endlich Stille - Ohne Prüfer
Vielleicht besteht Befreiung heute nicht darin eine Antwort zu erhalten. Sondern darin, dass die Frage verschwindet. Nicht: Bin ich richtig? Nicht: Bin ich gut genug? Sondern Stille.
Ein Moment, in dem niemand prüft, auch man selbst nicht. Spiel kennt diese Momente. Nicht als Technik sondern als Zeitraum. Man spielt nicht, um etwas zu werden. Man spielt, weil man da ist.
Vielleicht ist das der existentielle Kern einer neuen Freiheit: nicht sich selbst zu finden sondern sich selbst nicht mehr rechtfertigen zu müssen.

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