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Die weibliche Lebensschuld ohne Ursache

Viele Frauen empfinden sich als schuldig, wenn sie zweckfreie Zeit genießen. Es gibt eine Schuld, ohne Vorwurf oder Tat. Sie ist der Beweis dafür, wie sehr man gebraucht wird. Sie stellt sich ein, wenn eine Frau geht, ohne jemanden zu reparieren oder lebt ohne zu sich zu erklären. Diese Schuld wirkt stark, obwohl sie keinem Schadensschema folgt.


Diese Schuld erwächst nicht aus falschen Taten sondern daraus dass etwas nicht mehr weiterläuft. Erwartungen greifen ins Leere. Frau ist noch da, doch nicht mehr funktional. Weder hat sie etwas genommen noch etwas zerstört. Sie ist einfach nicht mehr zuständig.



Weibliche Schuld ist nicht ethisch sondern logistisch


Sie folgt nicht dem eigenen Gewissen sondern gehorcht einer Systemlogik. Frauen werden früh darauf trainiert, emotionale, soziale, kommunikative und organisatorische Lücken zu schließen. Sie nehmen Bedürfnisse wahr und beantworten sie. Sie puffern still Spannungen ab und halten Verbindungen.


Sobald sie nicht mehr Lücken puffern, entsteht kein Konflikt sondern eine Störung. Diese Störung wird dann als eigene Schuld erlebt.



Zweckfreies Dasein als Regelbruch


Eine Frau die zweckfrei ist, verstößt nicht gegen den Anstand sondern gegen die Ordnung. Spätestens dann nimmt sie wahr: Ihre Anwesenheit, Lebenszeit und Aufmerksamkeit waren nie als Selbstzweck vorgesehen. Sie waren längst verplant: verfügbar, abrufbar, adressierbar. Zweckfreiheit gilt nicht als neutrale Haltung sondern als Ungehorsam. Auch wo dies nicht ausgesprochen wird, wird es wirksam in anderen Formen mitgeteilt.



Warum Egoismus die falsche Kategorie ist


Egoismus setzt voraus, dass jemand sich etwas von anderen nimmt, sich Vorteile verschafft oder auf Kosten anderer lebt. Zweckfreiheit tut nichts davon. Sie konkurriert nicht, besiegt nicht, verschafft sich nichts. Sie entzieht. Deshalb wird sie hart angegriffen. ´Egoistisch´ meint in diesem Kontext: Du bist nicht mehr für uns verfügbar. Mehr nicht.



Schuld als Beweis vergangener Nutzung


Die Schuld, die die Frau empfindet und die ihr vorgeworfen wird, sobald sie zweckfrei lebt, ist rückwärts gerichtet. Sie tadelt nicht im Sinne von: Du hast etwas Schlechtes getan. Sie bilanziert: Du wurdest gebraucht. Und zwar so stark, dass dein Ausstieg eine Lücke hinterlässt. Diese Schuld markiert keinen inneren Fehler. Sie hallt als Echo vergangener Inanspruchnahme nach.



Warum diese Schuld so hartnäckig ist


Sie kommt nicht von außen. Sie benötigt keine Ankläger. Sie meldet sich von selbst, als die verinnerlichte Stimme eines Systems, das funktionieren will und dies nur kann weil jemand selbstlos verfügbar war.



Autotelie (Selbstzwecklichkeit) als Schuldtoleranz


Wer Autotelie wählt, darf die Schuld spüren, doch er muss sie nicht länger als Befehl verstehen. Ein „Ich muss das klären“ weicht der Haltung „Ich bin hier nicht zuständig“. Der Satz ist nicht hartherzig gemeint. Er formuliert eine neue Ethik, in der nicht jede Lücke sofort gefüllt werden muss.



Der Bruch durch Sich-Entziehen


Damit eine Frau zweckfrei lebt, muss es weder Aufstände, Siege oder neue Ideale geben. Es braucht nur den Entzug: Etwas läuft nicht länger über sie. Und genau daran erkennt sie, wie sehr sie vorher zweckmäßig verplant war.


Die Schuld, die Frauen bei einem zweckfreien Leben empfinden, zeugt weder von ethischem Versagen, Egoismus oder Kaltherzigkeit. Sie spiegelt eine Ordnung, die auf Verfügbarkeit gebaut war.


Autotelie (ein zweckfreies Leben) lässt sich durch empfundene Bringschuld nicht mehr zurückbefehlen, nur um diese Schuld zum Schweigen zu bringen.

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