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Warum Freiheit nicht heilt
Warum Freiheit nicht heilt Freiheit gilt als Heilmittel: politisch, psychologisch und auch spirituell. Man soll Menschen nur befreien und sie werden dann gesund und ganz und sie selbst. Diese Vorstellung klingt allerdings zu schön um wahr zu sein. Denn schaut man genau hin, wird klar: Freiheit heilt nicht. Aber sie entbindet. Sie nimmt Fesseln – aber sie gibt keinen Halt. Sie öffnet Räume, aber sie richtet diese nicht ein. Freiheit desorientiert Darum ist Freiheit für viele M
sabinebobert
23. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Über den Kulturgeist der 1970er Jahre und Machtästhetik
Über den Kulturgeist der 1970er Jahre und die Verhärtung der Gegenwart Manchmal merkt man erst spät, dass man in einer anderen Welt gelebt hat. Dies nicht, weil sie besser war. Sondern weil sie anders mit Menschen umging. Die 1970er Jahre waren solch eine Zwischenzeit . Zwischenzeit weil: nicht mehr die humanistische Moderne der Nachkriegsjahre, aber auch noch nicht die technokratische Gegenwart. Man lebte bereits in Masse, aber noch nicht im Modus der Daueranspannung. Maß s
sabinebobert
22. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Die Fülle, die bindet. C. G. Jung und Evagrius Ponticus (+399)
C. G. Jung aus der Sicht von Evagrius (+399) Es gibt Autoren, die man nicht einfach lies. Man lebt mit ihnen . C. G. Jung ist einer von ihnen. Viele tragen ihn jahrelang mit sich herum: seine Bilder, Archetypen, Mythen und religiösen Bezüge. Man liest ihn nicht zu Ende. Man verweilt bei ihm. Dies mag bereits ein Hinweis sein. Jungs Anziehungskraft Jung wirkt auf Menschen, die sich von kahler Rationalität befreien wollen. Er erschließt Räume - für Symbole, Religion, Mythen und
sabinebobert
22. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Lebendige, aufscheinende Wahrheit . Heidegger, Zen und Pravda
Heidegger, Pravda und Zen jenseits der richtigen Aussage Es gibt Wahrheiten, die erklären. Und es gibt Wahrheiten, die etwas entziehen. Die ersten beruhigen. Die zweiten machen still. Im Zen heißt es oft, dass man einen Finger nicht mit dem Mond verwechseln solle. Der Finger zeigt. Der Mond bleibt. Diese Unterscheidung ist älter als jede Philosophie. Und sie verbindet Zen auf überraschende Weise mit dem späten Denken von Martin Heidegger und dem russischen Begriff der Pravda.
sabinebobert
22. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Wenn Achtsamkeit zum Rohstoff wird
Evagrius und Zen gegen die Achtsamkeitsindustrie (Text aus meinen Buchprojekt über Evagrius Ponticus) Achtsamkeit gilt heute als etwas Gutes. Kaum jemand widerspricht. Denn sie verheißt Ruhe, Klarheit, Präsenz und Selbstregulation. Doch genau darin liegt das Problem. Achtsamkeit selbst ist nicht falsch. Doch sie ist nutzbar geworden wie ein Gebrauchsgegenstand. Die stille Verschiebung In der heutigen Form fragt Achtsamkeit meist: Wie kann ich mich selbst besser steuern? Statt
sabinebobert
21. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Noti ZEN (2)
Textkrümel aus dem Alltag Der Wind räumt den Hof auf. Ich lasse ihn. Der Schuh steht falsch herum. Er weiß es nicht. Der Hund bellt. Der Mond bleibt. Der Himmel hängt schief. Heute stört es niemanden. Zazen. Nichts verstanden. Perfekt. Du fragst nach Sinn. Der Boden antwortet nicht. Du willst tiefer gehen. Bleib einfach hier.
sabinebobert
21. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Zwischen Sinn und Stille. Evagrius und Frankl antworten auf Leid
Victor Frankl und Evagrius (+344) im Widerstreit Kaum ein Gedanke hat das 20. Jahrhundert so tröstlich durchzogen wie die Behauptung, dass der Mensch Sinn brauche. Viktor Frankl hat diese Überzeugung geprägt wie kaum ein anderer. Nach Auschwitz, dem radikalen Zivilisationsabbruch, bestand er darauf: Der Mensch kann alles verlieren, nur nicht die Freiheit, dem Leiden Sinn zu verleihen. Dieser Gedanke ist stark. Er hat Generationen von Intellektuellen getragen. Und doch wächst
sabinebobert
21. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Zwischen Du und Stille. Buber und Evagrius
Buber, Evagrius und das Missverständnis von Identität (Text aus meinem Buchprojekt über Identität als das Recht auf einen "inneren Raum") Es gibt Gedanken, die trösten. Und es gibt Gedanken, die entlasten. Beides ist nicht dasselbe. Der Satz von Martin Buber "Der Mensch wird am Du zum Ich" gehört zu den großen tröstenden Sätzen des 20. Jahrhunderts. Er spricht gegen Kälte, gegen Vereinzelung und gegen ein Ich, das sich selbst genügt. Doch beginnt genau hier, leise, ein Missve
sabinebobert
21. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Noti ZEN (1)
Krümel aus der Alltagsmystik Der Bus ist zu früh. Ich bin zu spät. Wir verfehlen uns korrekt. Die Uhr bleibt stehen. Ich auch. Wir einigen uns. Atmung ohne Anleitung funktioniert überraschend gut. Der Regen fällt schief. Er hat es eilig. Eine Fliege landet auf dem Buch. Sie liest es nicht. Der Mond steht genau dort, wo er gestern schon war. Faul. Sitzen. Nichts passiert. Gut so. Erleuchtung? Heute nicht. Auch nicht schlimm.
sabinebobert
21. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Sprache, die trägt. Vier Notizen gegen die Eile
Wohin entfloh die "Schöne Sprache"? Es fällt kaum auf, weil es sich schleichend vollzieht: Sätze werden kürzer, Wörter werden glatter, Bedeutungen weren eindeutiger. Sprache erledigt heute fleißig ihre Aufgaben: Sie informiert, sie erklärt gehorsam. Sie sichert Inhalte ab. Was sie hingegen viel seltener tut ist zu tragen . Schöne Sprache - ich meine damit nicht sogleich poetische oder literarisch ehrgeizige Sprache - schöne Sprache öffnet Türen zu Räumen, in denen verweilt un
sabinebobert
20. Dez. 20258 Min. Lesezeit
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