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Der Innere Raum
(Essay zu einem gleichnamigen Buch, das 2026 erscheinen wird) Warum Identität Ungestörtheit braucht Identität entsteht nicht dort wo man gesehen wird. Sie entsteht dort, wo man nicht unterbrochen wird. Das widerspricht einer Kultur, die Identität an Ausdruck, Sichtbarkeit und Resonanz bindet. Man soll sagen, wer man ist. Zeigen, wofür man steht. Sich verorten. Doch all das geschieht im Außen – im Raum der Reaktionen. Identität jedoch hat eine andere Herkunft. Sie braucht eine
sabinebobert
27. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Warum Gruppen Identität eher zerstören als stiften
Es gehört zu den hartnäckigsten Selbstverständlichkeiten der Moderne, dass Gruppen Identität ´geben´. Familie, Kaste, Milieu, Nation, Partei, Kirche, Szene – irgendwo, so heisst es, müsse der Mensch doch ´andocken´, um zu wissen wer er ist. Identität als etwas, das entsteht, indem man dazugehört. Doch diese Annahme ist nicht nur fragwürdig. Sie ist – bei genauem Hinsehen – geradezu umgekehrt. Gruppen stiften selten Identität. Sie zerstören sie. Identität ist kein Kollektivpro
sabinebobert
27. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Warum Überleben kein Verrat ist. Gespräch mit Arno Gruen
Der Ausdruck „Verrat am Selbst“ wie ihn Arno Gruen geprägt hat, trifft etwas Schmerzhaftes: Menschen verlieren unter Gewaltbedingungen den Kontakt zu sich selbst. Sie funktionieren, passen sich an, verriegeln Wahrnehmung und Empfinden. Doch genau hier beginnt ein begriffliches Problem, das weitreichende Folgen hat. Denn Verrat ist ein moralischer Begriff. Er setzt Freiheit voraus. Wer verrät, hätte anders handeln können. Verrat impliziert Distanz, Überblick, Wahl. Genau diese
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Die neue Unschuld
Unschuld gilt als verloren sobald Gewalt ins Leben tritt. Zu Recht. Denn Gewalt zerstört Vertrauen, Naivität, Sorglosigkeit. Doch es gibt eine zweite Unschuld, die nichts mit Reinheit zu tun hat und alles mit Erfahrung. Eine Unschuld nach der Moral . Die moralische Überformung nach Gewalt Nach Gewalt wird das Leben häufig moralisiert. Man prüft sich: War das richtig? War das klug? War das angemessen? Diese Moral ist nicht böse. Sie will schützen. Doch sie verlängert die Struk
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Nicht gemeint sein – oder: Warum Rechtfertigung heute nicht trägt
Es gibt eine Müdigkeit, die nicht von Schuld kommt. Sie kommt auch nicht von falschen Entscheidungen oder verpassten Chancen. Sie entspringt etwas Leiserem: dem Gefühl, sich ständig erklären zu müssen. Nicht vor anderen. Vor sich selbst. Der neue Gerichtsort: Selbstreflexion Viele Menschen leben, als müssten sie beweisen dass sie zurecht da sind. Sie nennen es Verantwortung. Oder Selbstreflexion. Oder Reife. Aber es ist etwas anderes. Es ist das Gefühl, nur unter Bedingung zu
sabinebobert
26. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Rechtfertigung ohne Gericht – oder: Was geschieht, wenn Gott nicht mehr prüft (Theologischer Essay)
Die Rechtfertigungslehre entstand in einer Welt, in der Gott als Richter gedacht wurde. Nicht metaphorisch. Nicht pädagogisch. Sondern real. Der Mensch stand vor Gott wie vor einem Tribunal. Sein Leben war eine Akte. Seine Handlungen Beweismaterial. In dieser Welt war Rechtfertigung ein Befreiungsschlag. Als Martin Luther sagte, dass der Mensch nicht durch Werke gerecht werde sondern aus Gnade, entzog er diesem Gericht den Boden. Der Mensch musste nichts mehr vorweisen. Er d
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Der Verrat der keiner sein darf. Über Freundschaft
Es gibt Verluste, die sind kulturell unsichtbar. Nicht weil sie klein wären, sondern weil es keine Sprache für sie gibt. Der Verlust einer Freundschaft zugunsten einer Liebesbeziehung ist einer dieser Verluste. Er gilt nicht als Bruch. Nicht als Verrat. Nicht einmal als Entscheidung. Er gilt als selbstverständlich . Die Selbstverständlichkeit als Gewaltform Was diese Erfahrung so schmerzhaft macht, ist nicht nur das Zurückgesetztwerden sondern die Nicht-Erklärungsbedürftigke
sabinebobert
24. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Wenn Männer sich durch Beziehungen optimieren - und Frauen Beziehungen optimieren
Es gibt einen stillen, selten benannten Unterschied in der Art, wie Beziehungen betreten werden. Nicht individuell, nicht ausnahmslos – aber strukturell. Viele Männer treten in Beziehungen ein, um ihr Leben zu verbessern. Viele Frauen treten in Beziehungen ein, um die Beziehung selbst zu verbessern. Dieser Unterschied ist subtil. Er zeigt sich nicht in Worten, sondern in Bewegungsrichtungen. Optimierung als Bewegungslogik Optimierung heisst nicht Ausbeutung. Optimierung heißt
sabinebobert
24. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Was geschieht wenn eine Frau nichts anbietet?
Es ist eine der verstörendsten Erfahrungen für Frauen: Nicht aktiv zu verweigern. Nicht abzugrenzen. Sondern einfach nichts anzubieten . Kein emotionales Andocken. Kein Tragen. Kein Regulieren. Kein vorsorgliches Kümmern. Nur Präsenz. Das Experiment der Nicht-Funktion Wenn eine Frau nichts anbietet, geschieht oft Erstaunliches: Gespräche versanden. Dynamiken verlieren Energie. Menschen werden unsicher. Interesse kippt in Irritation. Nähe verliert Richtung. Nicht, weil die Fra
sabinebobert
24. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Wenn Ordnung nichts mehr ordnet
Ein Essay in langsamen Bewegungen I. Ankunft Es gibt Zeiten, in denen man nicht mehr widerspricht. Dies nicht aus Müdigkeit oder Zustimmung. Sondern weil der Widerspruch keinen Adressaten mehr findet. Man schaut hin und merkt: Das was da ist, richtet sich nicht mehr an mich. Nicht in feindlicher Weise, nicht laut. Es ist ein einfaches "nicht mehr". II. Die leise Verschiebung Ordnung ist noch da. Sie hat sich nicht aufgelöst. Zeichen stehen. Lichter leuchten. Formen wiederhole
sabinebobert
24. Dez. 20253 Min. Lesezeit
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