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Rechtfertigung ohne Gericht – oder: Was geschieht, wenn Gott nicht mehr prüft (Theologischer Essay)
Die Rechtfertigungslehre entstand in einer Welt, in der Gott als Richter gedacht wurde. Nicht metaphorisch. Nicht pädagogisch. Sondern real. Der Mensch stand vor Gott wie vor einem Tribunal. Sein Leben war eine Akte. Seine Handlungen Beweismaterial. In dieser Welt war Rechtfertigung ein Befreiungsschlag. Als Martin Luther sagte, dass der Mensch nicht durch Werke gerecht werde sondern aus Gnade, entzog er diesem Gericht den Boden. Der Mensch musste nichts mehr vorweisen. Er d
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Der Verrat der keiner sein darf. Über Freundschaft
Es gibt Verluste, die sind kulturell unsichtbar. Nicht weil sie klein wären, sondern weil es keine Sprache für sie gibt. Der Verlust einer Freundschaft zugunsten einer Liebesbeziehung ist einer dieser Verluste. Er gilt nicht als Bruch. Nicht als Verrat. Nicht einmal als Entscheidung. Er gilt als selbstverständlich . Die Selbstverständlichkeit als Gewaltform Was diese Erfahrung so schmerzhaft macht, ist nicht nur das Zurückgesetztwerden sondern die Nicht-Erklärungsbedürftigke
sabinebobert
24. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Wenn Männer sich durch Beziehungen optimieren - und Frauen Beziehungen optimieren
Es gibt einen stillen, selten benannten Unterschied in der Art, wie Beziehungen betreten werden. Nicht individuell, nicht ausnahmslos – aber strukturell. Viele Männer treten in Beziehungen ein, um ihr Leben zu verbessern. Viele Frauen treten in Beziehungen ein, um die Beziehung selbst zu verbessern. Dieser Unterschied ist subtil. Er zeigt sich nicht in Worten, sondern in Bewegungsrichtungen. Optimierung als Bewegungslogik Optimierung heisst nicht Ausbeutung. Optimierung heißt
sabinebobert
24. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Was geschieht wenn eine Frau nichts anbietet?
Es ist eine der verstörendsten Erfahrungen für Frauen: Nicht aktiv zu verweigern. Nicht abzugrenzen. Sondern einfach nichts anzubieten . Kein emotionales Andocken. Kein Tragen. Kein Regulieren. Kein vorsorgliches Kümmern. Nur Präsenz. Das Experiment der Nicht-Funktion Wenn eine Frau nichts anbietet, geschieht oft Erstaunliches: Gespräche versanden. Dynamiken verlieren Energie. Menschen werden unsicher. Interesse kippt in Irritation. Nähe verliert Richtung. Nicht, weil die Fra
sabinebobert
24. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Wenn Ordnung nichts mehr ordnet
Ein Essay in langsamen Bewegungen I. Ankunft Es gibt Zeiten, in denen man nicht mehr widerspricht. Dies nicht aus Müdigkeit oder Zustimmung. Sondern weil der Widerspruch keinen Adressaten mehr findet. Man schaut hin und merkt: Das was da ist, richtet sich nicht mehr an mich. Nicht in feindlicher Weise, nicht laut. Es ist ein einfaches "nicht mehr". II. Die leise Verschiebung Ordnung ist noch da. Sie hat sich nicht aufgelöst. Zeichen stehen. Lichter leuchten. Formen wiederhole
sabinebobert
24. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Warum Freiheit nicht heilt
Warum Freiheit nicht heilt Freiheit gilt als Heilmittel: politisch, psychologisch und auch spirituell. Man soll Menschen nur befreien und sie werden dann gesund und ganz und sie selbst. Diese Vorstellung klingt allerdings zu schön um wahr zu sein. Denn schaut man genau hin, wird klar: Freiheit heilt nicht. Aber sie entbindet. Sie nimmt Fesseln – aber sie gibt keinen Halt. Sie öffnet Räume, aber sie richtet diese nicht ein. Freiheit desorientiert Darum ist Freiheit für viele M
sabinebobert
23. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Über den Kulturgeist der 1970er Jahre und Machtästhetik
Über den Kulturgeist der 1970er Jahre und die Verhärtung der Gegenwart Manchmal merkt man erst spät, dass man in einer anderen Welt gelebt hat. Dies nicht, weil sie besser war. Sondern weil sie anders mit Menschen umging. Die 1970er Jahre waren solch eine Zwischenzeit . Zwischenzeit weil: nicht mehr die humanistische Moderne der Nachkriegsjahre, aber auch noch nicht die technokratische Gegenwart. Man lebte bereits in Masse, aber noch nicht im Modus der Daueranspannung. Maß s
sabinebobert
22. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Die Fülle, die bindet. C. G. Jung und Evagrius Ponticus (+399)
C. G. Jung aus der Sicht von Evagrius (+399) Es gibt Autoren, die man nicht einfach lies. Man lebt mit ihnen . C. G. Jung ist einer von ihnen. Viele tragen ihn jahrelang mit sich herum: seine Bilder, Archetypen, Mythen und religiösen Bezüge. Man liest ihn nicht zu Ende. Man verweilt bei ihm. Dies mag bereits ein Hinweis sein. Jungs Anziehungskraft Jung wirkt auf Menschen, die sich von kahler Rationalität befreien wollen. Er erschließt Räume - für Symbole, Religion, Mythen und
sabinebobert
22. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Lebendige, aufscheinende Wahrheit . Heidegger, Zen und Pravda
Heidegger, Pravda und Zen jenseits der richtigen Aussage Es gibt Wahrheiten, die erklären. Und es gibt Wahrheiten, die etwas entziehen. Die ersten beruhigen. Die zweiten machen still. Im Zen heißt es oft, dass man einen Finger nicht mit dem Mond verwechseln solle. Der Finger zeigt. Der Mond bleibt. Diese Unterscheidung ist älter als jede Philosophie. Und sie verbindet Zen auf überraschende Weise mit dem späten Denken von Martin Heidegger und dem russischen Begriff der Pravda.
sabinebobert
22. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Wenn Achtsamkeit zum Rohstoff wird
Evagrius und Zen gegen die Achtsamkeitsindustrie (Text aus meinen Buchprojekt über Evagrius Ponticus) Achtsamkeit gilt heute als etwas Gutes. Kaum jemand widerspricht. Denn sie verheißt Ruhe, Klarheit, Präsenz und Selbstregulation. Doch genau darin liegt das Problem. Achtsamkeit selbst ist nicht falsch. Doch sie ist nutzbar geworden wie ein Gebrauchsgegenstand. Die stille Verschiebung In der heutigen Form fragt Achtsamkeit meist: Wie kann ich mich selbst besser steuern? Statt
sabinebobert
21. Dez. 20252 Min. Lesezeit
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