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Warum Befreiungsbewegungen fast immer kippen
Befreit werden vom überfüllten Innenraum Fast alle Befreiungsbewegungen beginnen mit einer richtigen Wahrnehmung: Sie erkennen, wie überfüllt der menschliche Innenraum ist. Er quillt über vor fremden Erwarungen, verinnerlichten Autoritäten, steckt voller Schuld, Angst und Zukunftsplänen. Selten nur lebt ein Mensch aus sich selbst heraus. Wenn echte Befreier diesen Innenraum entrümpeln, entstehen Weite, Wahrnehmung der Gegenwart, und Klarheit stellt sich sein. Menschen erleben
sabinebobert
29. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Die kaputten Figuren
Kaputt als Form, nicht als Mangel Kaputte Figuren sind keine Randerscheinung der Literatur. Sie sind ihr innerster Kern. Dort wo Figuren funktionieren, sich entwickeln, integrieren, versöhnen, verliert Literatur an Wahrheit. Sie wird Anleitung, Moral, Psychologie. Erst die beschädigte Figur öffnet einen Raum, in dem etwas Unabschließbares bleibt. Kaputt ist keine Kategorie des Mangels. Kaputt ist eine Form. Eine Gestalt, die nicht mehr glatt ist. Eine Existenz, die Risse zeig
sabinebobert
28. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Zeit ohne Narrativ
(Essay aus meinem Buch über Zeit als Machtform, als Bewusstseinsstruktur und als zerstörte mögliche Erfahrung. Erscheint 2026) Wo nichts gesteuert werden muss, gibt es keine Zeit. Zeit wird fast immer erzählt. Sie bekommt Richtung, Sinn, Steigerung. Anfang, Krise, Wendepunkt, Entwicklung. Diese Erzählung ist so selbstverständlich geworden, dass wir kaum bemerken, wie sie unser Leben kolonisiert. Zeit ohne Narrativ wirkt daher zunächst wie ein Defekt. Wie Stillstand. Wie Verlu
sabinebobert
28. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Der Innere Raum
(Essay zu einem gleichnamigen Buch, das 2026 erscheinen wird) Warum Identität Ungestörtheit braucht Identität entsteht nicht dort wo man gesehen wird. Sie entsteht dort, wo man nicht unterbrochen wird. Das widerspricht einer Kultur, die Identität an Ausdruck, Sichtbarkeit und Resonanz bindet. Man soll sagen, wer man ist. Zeigen, wofür man steht. Sich verorten. Doch all das geschieht im Außen – im Raum der Reaktionen. Identität jedoch hat eine andere Herkunft. Sie braucht eine
sabinebobert
27. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Warum Gruppen Identität eher zerstören als stiften
Es gehört zu den hartnäckigsten Selbstverständlichkeiten der Moderne, dass Gruppen Identität ´geben´. Familie, Kaste, Milieu, Nation, Partei, Kirche, Szene – irgendwo, so heisst es, müsse der Mensch doch ´andocken´, um zu wissen wer er ist. Identität als etwas, das entsteht, indem man dazugehört. Doch diese Annahme ist nicht nur fragwürdig. Sie ist – bei genauem Hinsehen – geradezu umgekehrt. Gruppen stiften selten Identität. Sie zerstören sie. Identität ist kein Kollektivpro
sabinebobert
27. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Warum Überleben kein Verrat ist. Gespräch mit Arno Gruen
Der Ausdruck „Verrat am Selbst“ wie ihn Arno Gruen geprägt hat, trifft etwas Schmerzhaftes: Menschen verlieren unter Gewaltbedingungen den Kontakt zu sich selbst. Sie funktionieren, passen sich an, verriegeln Wahrnehmung und Empfinden. Doch genau hier beginnt ein begriffliches Problem, das weitreichende Folgen hat. Denn Verrat ist ein moralischer Begriff. Er setzt Freiheit voraus. Wer verrät, hätte anders handeln können. Verrat impliziert Distanz, Überblick, Wahl. Genau diese
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Die neue Unschuld
Unschuld gilt als verloren sobald Gewalt ins Leben tritt. Zu Recht. Denn Gewalt zerstört Vertrauen, Naivität, Sorglosigkeit. Doch es gibt eine zweite Unschuld, die nichts mit Reinheit zu tun hat und alles mit Erfahrung. Eine Unschuld nach der Moral . Die moralische Überformung nach Gewalt Nach Gewalt wird das Leben häufig moralisiert. Man prüft sich: War das richtig? War das klug? War das angemessen? Diese Moral ist nicht böse. Sie will schützen. Doch sie verlängert die Struk
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Nicht gemeint sein – oder: Warum Rechtfertigung heute nicht trägt
Es gibt eine Müdigkeit, die nicht von Schuld kommt. Sie kommt auch nicht von falschen Entscheidungen oder verpassten Chancen. Sie entspringt etwas Leiserem: dem Gefühl, sich ständig erklären zu müssen. Nicht vor anderen. Vor sich selbst. Der neue Gerichtsort: Selbstreflexion Viele Menschen leben, als müssten sie beweisen dass sie zurecht da sind. Sie nennen es Verantwortung. Oder Selbstreflexion. Oder Reife. Aber es ist etwas anderes. Es ist das Gefühl, nur unter Bedingung zu
sabinebobert
26. Dez. 20251 Min. Lesezeit
Rechtfertigung ohne Gericht – oder: Was geschieht, wenn Gott nicht mehr prüft (Theologischer Essay)
Die Rechtfertigungslehre entstand in einer Welt, in der Gott als Richter gedacht wurde. Nicht metaphorisch. Nicht pädagogisch. Sondern real. Der Mensch stand vor Gott wie vor einem Tribunal. Sein Leben war eine Akte. Seine Handlungen Beweismaterial. In dieser Welt war Rechtfertigung ein Befreiungsschlag. Als Martin Luther sagte, dass der Mensch nicht durch Werke gerecht werde sondern aus Gnade, entzog er diesem Gericht den Boden. Der Mensch musste nichts mehr vorweisen. Er d
sabinebobert
26. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Der Verrat der keiner sein darf. Über Freundschaft
Es gibt Verluste, die sind kulturell unsichtbar. Nicht weil sie klein wären, sondern weil es keine Sprache für sie gibt. Der Verlust einer Freundschaft zugunsten einer Liebesbeziehung ist einer dieser Verluste. Er gilt nicht als Bruch. Nicht als Verrat. Nicht einmal als Entscheidung. Er gilt als selbstverständlich . Die Selbstverständlichkeit als Gewaltform Was diese Erfahrung so schmerzhaft macht, ist nicht nur das Zurückgesetztwerden sondern die Nicht-Erklärungsbedürftigke
sabinebobert
24. Dez. 20251 Min. Lesezeit
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